Monat 9-10, Mexiko*USA*Mexiko

Schon wieder zwei Monate rum. Und es ist viel passiert in der Zeit…

Im Letzten meiner am Ende nun doch 4 Monate Isla Mujeres habe ich mich hauptsächlich mit dem Thema Arbeitsgenehmigung beschäftigt. Ich wollte arbeiten, aber legal, denn eine Deportation wollte ich nicht riskieren.  Ich habe mit einem Anwalt gesprochen und herausgefunden, dass sich die Gesetzeslage in Mexiko leider vor einigen Monaten zu meinem Nachteil geändert hat. Früher war es wohl ziemlich einfach Genehmigungen zu bekommen. Jetzt aber nicht mehr. Der Anwalt sagte mir, dass ich entweder einen Arbeitgeber finden muss, der diese für mich beantragt oder ich von meinem Heimatland aus im mexikanischen Konsulat einen Antrag stellen kann. Das Problem mit der Variante „ein Arbeitgeber macht das für mich“ ist, dass ich dann nur in dieser angegebenen Stelle arbeiten kann. Und keiner der mir bisher angebotenen Jobs käme für mich dafür infrage.

Zusätzlich zu diesen Schwierigkeiten suchte mich nach dieser langen Zeit nun doch auch langsam das Inselfieber heim. Mir wurde diese Enge und das intensive Sozialleben zu viel. Wie immer wenn man länger irgendwo ist, passt man sich an und verliert die Sicht aufs große Ganze.  Um Entscheidungen zu fällen, hätte ich aber gerade diese gebraucht. Also beschloss ich kurzerhand wieder in die USA zu reisen, um dort ein bisschen Abstand und einen klaren Kopf zu bekommen. Und, natürlich, wenn ich schon mal da bin, mit dem Konsulat über eine mögliche Arbeitsgenehmigung zu sprechen.

Der Abschied fiel mir diesmal natürlich wieder schwer. Meine Freunde waren sehr traurig, dass ich gehe. Obwohl auch einige gleich sagten „du kommst wieder! Es ist nur eine Frage der Zeit…“. Ich war mir da allerdings nicht ganz so sicher. Vielleicht ja, vielleicht nein. Das würde sich erst alles noch herausstellen.

Also flog ich nach LA zurück. Ich freute mich zunächst wahnsinnig wieder in meinem „zweiten Zuhause“ zu sein. Das Leben in der Stadt war aber, nach so langer Zeit in der Karibik, etwas seltsam für mich. LA war groß, schnell und laut… und, weil auch dort gerade Winter war, kalt. Gut, mit Deutschland verglichen immer noch warm, aber doch irgendwie ein wenig trist. Meine Freunde und ich zelebrierten als Erstes meine Rückkehr, kurz danach machte ich mich aber gleich daran mit den Behörden zu reden. Leider gab es wieder schlechte Nachrichten. Ich fand heraus, dass ich keine Chance außer einer „Full-Sponsorship“ eines Arbeitgebers oder einer Heirat habe. Also doch nicht ganz so einfach, wie mir mein mexikanischer Anwalt sagte. Ein Sponsor muss nämlich nicht nur den Antrag stellen, er muss auch noch finanzielle Garantien übernehmen. Und wie gesagt, die Jobs, die ich zur Auswahl hatte, waren dafür einfach nicht geeignet. Und selber einfach so beantragen geht gar nicht.

Meine Stimmung war dementsprechend für einige Tage ziemlich getrübt. Ich wusste nicht, was ich als Nächstes tun sollte. Wollte ich es weiter mit Mexiko probieren? Sollte ich es vielleicht mal mit Nicaragua probieren? Gehe ich nun doch endlich wieder nach Kolumbien? Sollte ich mir in Kalifornien einen Job suchen? Oder musste ich es vielleicht einfach aufgeben und wieder nach München zurückgehen?  Puh… ich hatte überhaupt keine Ahnung, was ich wollte.

Mir tat es sehr gut gerade in dieser Phase mit meinen engen Freunden in dieser vertrauten Umgebung, weit weg von der Insel, zu sein. Aber nach einer kurzen Zeit stellte ich fest, dass ich weder in der USA bleiben noch nach München zurück wollte. Obwohl ich zugeben muss, dass mir etwas in München sehr fehlt … Meine Familie und Freunde! Sie fehlen mir unglaublich und sie fehlen mir von Woche zu Woche mehr. Ich freue mich jetzt schon auf den Tag, wenn ich sie alle wieder sehen und mit ihnen Zeit verbringen kann. Aber dafür ist es jetzt einfach noch ein bisschen zu früh. Bliebt also Mexiko oder ein anderes Land. Da ich mich nun schon so lang in Mexiko aufgehalten habe und doch noch kaum was davon gesehen habe, habe ich eines Abends doch entschieden einfach so schnell wie möglich nach Mexiko City zu fliegen und vor dort aus das Land zu bereisen. Zudem liegt es ja quasi auf dem Weg nach Nicaragua. Ich wollte dieses Land wieder genießen und noch eine Weile darauf warten, ob vielleicht doch noch irgendetwas Hilfreiches passiert. Das war also der neue Plan. Sofort wurde meine Stimmung wieder besser und das war dann auch die Bestätigung für mich, dass das eine gute Entscheidung war.

Nach nur zwei Wochen in den Staaten flog ich also nach Mexiko D.F. (die Mexikaner nennen Mexiko City oft einfach nur D.F.). Ich war aufgeregt, so eine große Stadt! 20 Millionen Menschen. Ich hatte keine Ahnung was mich dort erwarten würde. Zwar war ich schon in einigen großen Städten auf dieser Welt aber keine davon war mexikanisch. Und davor hatte ich schon ein wenig Respekt. Um dort nicht so verloren zu sein, beschloss ich mir kein Hostel, sondern einen Couchsurfing-Host zu suchen. Das war eine sehr gute Entscheidung.

Ich kam bei einem sehr netten Bolivianer unter, der gleichzeitig auch seinen Vater, einen sehr netten bolivianischen Rentner zu Besuch hatte.

Mit ihm habe ich das volle Touristenprogramm durchgezogen. Da dieser Herr kein Wort Englisch spricht, war das gleichzeitig auch eine hervorragende Spanischübung für mich. Wir haben unglaublich viele Kilometer zurückgelegt und den ganzen Tag über Gott und die Welt geplaudert. U. A. sind wir auch ins antropologische Museum gegangen. Dort haben wir den ganzen Tag verbracht und jetzt weiß ich in der Tat sehr sehr viel mehr über Mexiko und die verschiedenen Stämme, die es in diesem Land gab und zum Teil noch gibt. Kann ich jedem, der dort hinfährt, nur wärmstens empfehlen. Am nächsten Tag dann noch eine klassische Stadtrundfahrt, die aufgrund der überdimensionalen Größe dieser Stadt (sie ist noch mal größer als Los Angeles) den ganzen Tag dauerte. Anders hätte ich aufgrund der Entfernungen wohl am Ende doch nur sehr wenig zu sehen bekommen. Dann hatte ich aber auch schon wieder genug von dem Stress dieser Metropole, in der alles etwas überdimensioniert ist.

In diesen Tagen ist auch noch etwas ganz Bedeutsames passiert: ich bekam ich einen Anruf von der Insel. Es war ein Mann, der über meine dort Freunde von mir gehört hatte. Er hätte eine Stelle für mich und würde mich daher gerne kennenlernen. Und, er hätte auch nichts dagegen eine „Full-Sponsorship“ für mich zu übernehmen, sollte das Gespräch gut laufen. Er habe unglaubliche Probleme jemand Passendes zu finden, denn er hat Katamarane, mit denen er  Touren in der Karibik anbietet und das Geschäft zieht stetig an. Da er inzwischen damit so eingespannt ist, brauche er Hilfe. Ich hatte zwar gehört, dass meine Freunde versuchen mich wieder zurückzubringen, aber das war nun doch eine riesen Überraschung. Was Konkretes was auch noch klappen könnte. Und der Job hört sich auch noch gut an! Zwar nichts um Karriere zu machen, aber das braucht‘s auch nicht in der Karibik. Ich war begeistert.

Er fragte mich, wie schnell ich denn zu einem Interview kommen könnte.

Da ich ja nun aber gerade erst in Mexiko angekommen war, schlug ich noch ein paar Tage heraus. Aber trotzdem, ich musste umplanen und meine Reise etwas beschleunigen. Nach 3 Nächten in der großen Stadt bin ich schnell nach Palenque weiter gereist. Palenque liegt genau in der Mitte zwischen Cancún und D.F. und ist umgeben von einem wunderschönen Dschungelgebiet. Und Dschungel fehlte bisher definitiv noch auf meiner Reise.

Ich habe dort letzte Woche ein paar Tage die wunderschöne Natur genossen, um dann gleich weiter in Richtung Insel zu fahren. Seit einigen Tagen bin ich nun also wieder in meinem „dritten Zuhause“. Ich bin selbst ein bisschen überrumpelt, das ging jetzt alles viel schneller als gedacht!

Ich lebe wieder in dem Hostel und bin vorgestern sogar wieder in das große Zelt eingezogen. Alles so als wäre ich nie weg gewesen. Sehr verwirrend… ich bin echt gespannt darauf, wie lange ich diesmal hier bleibe. Aber, wie gesagt, es ist nicht einfach von hier wegzukommen. Ihr seht ja jetzt selbst, was ich meine 😉

Ob das mit dem Job was wird, wird sich noch herausstellen. Die ersten Gespräche haben wir schon geführt. Es ist eine wirklich große Chance mit viel Verantwortung und eine Arbeit, die ich sehr gerne machen würde. Zurzeit stehen wir aber noch in Verhandlungen, was die Konditionen angeht. Ich hätte extrem viel zu lernen, denn was weiß ich schon über das Segeln und Boote und so. Sie müssten mir also schon eine große Chance geben. Falls sie dieses Risiko am Ende doch nicht eingehen wollen oder die Migrationsbehörde uns Schwierigkeiten macht, wäre es zwar schade, aber die letzten Tage haben mir wieder Hoffnung gegeben, dass es hier schon noch Möglichkeiten für mich gibt…und ich bin überglücklich über diese Wendung.

Das Leben auf der Insel gehe ich diesmal jedenfalls ein wenig anders an. Ich bin ruhiger und konzentrierter als noch vor einiger Zeit.Viele meiner Freunde sind zurzeit nicht hier und ich vermisse meine Lieben in Deutschland sehr. Mir hilft das mich aufs Wesentliche zu konzentrieren.  Und das Wesentliche ist mir hier oder an einem anderen Ort auf der Welt eine mögliche Zukunft aufzubauen. Es ist ein wirklich gutes Gefühl wieder fokussiert zu sein. Denn so langsam wurde meine Realität hier im Paradies schwierig. Ich bin ins Schwimmen gekommen. Es musste sich was ändern. Und es hat sich was geändert. Selbst wenn aus dem Job nichts werden sollte und mir dieses Angebot am Ende nur dabei geholfen hat meine Sicht und Einstellung zu ändern, auch egal, denn das war das wichtigste!

In diesem Sinne, bis ganz bald meine Lieben!

PS. ich wünsche Euch endlich einen wunderschönen warmen und sonnigen Frühling !! Ihr habt es Euch nach diesem so langen Winter wirklich verdient !

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2 Gedanken zu „Monat 9-10, Mexiko*USA*Mexiko

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