Monat 6, Mexiko

An Mexiko hatte ich wirklich keine sonderlich hohen Erwartungen. Eigentlich habe ich mich nur dazu entschieden hier herzukommen, um hier Steffi zu treffen, so als Kompromiss zwischen der USA und Zentralamerika. Ich wollte nach 5 Monaten doch langsam mal die Staaten verlassen und hatte sonst weiter nichts vor als im Januar in Panama zu sein, also dachten wir uns Mexiko wäre gut. Und so war es auch!

Anfang November war ich allerdings noch auf der Hochzeit meines Cousins in Texas. Das war für mich ein sehr wichtiges Ereignis, denn mit vielen Familienmitgliedern habe ich bisher, aufgrund der großen Entfernung, nicht viel Zeit verbringen können, oder kannte sie nur viel viel jünger und war sehr gespannt darauf, sie alle als Erwachsene wiederzusehen. Und, der Anlass war auch noch traumhaft ! Es war großartig und ich habe die Zeit dort in vollen Zügen genossen.  Aber als dies zu Ende ging, hatte ich nun wirklich alles in der USA erledigt, was dort zu erledigen war und konnte endlich weiterziehen.

Denn meine Vorfreude auf die Karibik war riesengroß! Sie half zudem ein wenig über einen furchtbaren Flug nach Cancún, eine einzige Pauschaltouristeninvasion, hinweg. Ätzend.  In Cancún angekommen holte mich mein lieber Freund Eike vom Flughafen ab. Ich hatte gehofft ihn genauso vorzufinden, wie er dann auch war. Er saß leicht verlottert, mit längerem blondem Haar, längerem und nicht ganz so blondem Bart, mit einer gesunden Bräune und einem breiten Lächeln im Gesicht auf seinem Rucksack direkt vor dem Eingang und wartete. Wie schön!! Pauschalscheiß, komischerweise auch immer gleichzusetzen mit nervigen Kindern, sich unangenehm aufführenden Familienvätern, zickigen Müttern und Streitigkeiten überall, wo man hinsieht, wieder vorbei und einen lieben reisenden Freund vor mir. Also, alles wieder gut!

Wir sind dann auch ohne Umweg aus dem All-Inclusive-Cancún raus und auf die Insel „Isla Mujeres“ gefahren und haben uns dort in einem Hostel eingemietet, in dem ich heute, einen ganzen Monat später, noch immer lebe. Aber dazu gleich noch mehr.

Wir beide waren sehr müde von den letzten Wochen und nutzen den ersten Tag zur Erholung mit viel Schlaf und gutem Essen. Das Leben und mein Alltag haben sich hier in Mexiko abrupt geändert. Die letzten Wochen und Monate waren oft eher stressig und anstrengend, zwar auf eine sehr gute Art, trotzdem, das hat Energie gekostet. Ich sehe das schon daran, dass die 5 Monate USA an mir quasi vorbeigerast sind, wobei die Zeit hier, an diesem so friedlichen, beschaulichen und doch geschäftigen Ort eher vor sich hertrottet. Hier auf der Insel und eigentlich überall in Mexiko ist alles 2-3 Gänge langsamer. Das Leben ist entspannter und unaufgeregter. Es gibt ja nun auch hier, an diesem „Ferienort“ nicht so viel zu tun und daher ist es äußerst leicht Ruhe zu finden, wenn man sie denn sucht.

Am zweiten Tag kamen dann auch Steffi und David, zwei weitere sehr liebe Freunde von mir auf der Insel an. Wir vier und einige neue Bekanntschaften verbrachten die nächsten Tage hier mehr oder weniger gemeinsam. Ich war überglücklich so viele Freunde auf einmal zu sehen und dann auch noch in der Karibik!! Hätte mir wirklich nichts Schöneres vorstellen können. Nach wenigen Tagen ist Eike aber dann auch schon weiter nach Holbox gefahren, um dort noch ein bisschen Ruhe vor seiner anstehenden Heimreise zu tanken, David zog nach Playa del Carmen um, um dort etwas Zeit mit einem anderen guten Freund zu verbringen und Steffi, sie blieb noch einige Wochen mit mir zusammen. Wir fuhren zu zweit weiter nach Chichen Itza, Mérida, Celestun, Tulum und dann wieder zurück auf die Insel. Wunderschön ! Die Natur ist einfach atemberaubend, die Mexikaner hier im Mayaland sind tolle Menschen und die Maya-Stätten sind auch gut (obwohl sie mich in der Tat am wenigsten interessieren). Kurz gesagt, Yucatan und Quintana Roo sind super! Und was ich über den Rest Mexikos gehört habe, ist auch äußerst vielversprechend. Ich bin auf dieses Land, das ich bis vor Kurzem noch als relativ uninteressant abgestempelt habe, sehr neugierig geworden und würde momentan sogar am liebsten noch ein paar Jahre bleiben und mir alles ganz genau ansehen. Aber das ist jetzt nicht meine Mission, jetzt steht gerade noch was anderes an und außerdem muss ich auch zugeben, irgendwie habe ich in letzter Zeit ein sehr großes Herz für alle Länder und ihre Bewohner, daher warte ich jetzt lieber erstmal ab…

Aber zurück zur Zeit mit Steffi. Mir hat es sehr gefallen, das alles mit ihr gemeinsam zu erleben. Es ist schön zu wissen, dass es eine Person in München gibt, mit der man diese Erfahrungen teilt. Eine Person, die weiß, wie es hier ist, zu den Namen auch Gesichter kennt und auch ihre eigene Meinung zu alldem hat. Besonders, da ich vielleicht noch einige Zeit an diesem Ort bleiben werde. Wer weiß… Und, mit ihr den neuesten Inselklatsch auszutauschen, macht schon Spaß! Genau so wie schon vor einigen Monaten in Kalifornien mit Sebastian.

Jetzt ist sie jedenfalls schon seit etwa einer Woche weg und ich bin nun wieder alleine unterwegs. Genau genommen bin ich jetzt zwar weder alleine noch unterwegs, aber „München“ ist jetzt nicht mit mir hier. Es tut zwar immer wieder sehr weh gute Freunde zu verabschieden und ich genieße die Zeit mit ihnen sehr, aber auf die Zeit, die jetzt kommt, freue ich mich zugegeben auch schon! Ich mag es nämlich genauso gerne alleine unterwegs zu sein. Und das hatte ich die letzten Monate nicht so oft. Es ist einfach für mich langsam an der Zeit. Und das ist auch gut so!

Wie schon erwähnt, bin ich heute also noch immer auf der Insel der Frauen und ich habe zudem beschlossen hier eine Weile zu bleiben. Ich stelle mir selbst ab und zu die Frage, warum ich jetzt tatsächlich so lange an dem ersten Platz, den ich in Mexiko gesehen habe bleibe und nicht weiterziehe. Und die Antwort ist und bleibt: weil es mir hier wirklich gut gefällt!

Isla Mujeres ist eine sehr kleine Insel. Gerade mal 7 Kilometer lang und nur ein paar Querstraßen breit. Hier ist alles mit dem Fahrrad superleicht zu erreichen. Die Menschen sind unglaublich, sie sind netter und entspannter als beispielsweise in Cancún und sie sind auch sehr hilfsbereit, offen und für jeden Spaß zu haben. Ja, und die Insel ist auch noch traumhaft schön! Zwar nicht das Schönste, was ich je gesehen habe, aber das Gesamtbild stimmt. An der Nordseite gibt es wunderbare karibische Strände, mit weißem Sand und Wasser, das wahrhaft aussieht wie flüssiges Glas. Aber auch hier wieder nicht das Allerschönste, was ich je gesehen habe. Sogar in Tulum, gerade mal 3 Stunden mit dem Bus entfernt, gibt es noch weitaus weißeren, feineren Sand. Übrigens, DAS war in der Tat der schönste Sand, den ich je gesehen habe! Es hätte auch aufgeschüttetes Mehl sein können. Und auch das Wasser ist dort noch ein Tick blauer und durchsichtiger. Aber hier auf der Isla ist’s auch schon traumhaft, da muss man dann auch nicht pingelig werden.  Und jetzt in der Vorweihnachtszeit, die hier unübersehbar ist, gibt es besonders viel zu sehen. Die mexikanischen Familien nehmen an traditionellen Umzügen auf der Insel teil, die Kinder sagen verkleidet Gedichte auf und seit Neuestem wird sonntags wird sich mehr auf der Straße versammelt und geratscht als an den bisherigen Sonntagen. All das ist echt schön zu beobachten. Und hier, da alles auf so kleinem Raum stattfindet, entgeht einem so gar nichts 🙂

Außerdem kenne ich hier schon ziemlich viele Leute, und die meisten davon mag ich sehr gern. Diese Leute sind hauptsächlich Mexikaner, die hier auf der Insel arbeiten oder Langzeitreisende (man könnte auch den Begriff ‚Kurzzeiteinheimische‘ verwenden, passt beides) aus aller Welt. All das zusammen ermöglicht es mir, mich an diesem Ort sehr wohl zu fühlen. Und jetzt will ich testen, wie lange das so bleibt. Mal sehen. Bin selbst gespannt.  Sollte es mir allerdings doch schneller auf die Nerven gehen als gedacht, so habe ich für danach den Plan entweder an die Pazifikseite von Mexiko zu fahren oder weiter nach Nicaragua.

Also, wahrscheinlich kann man sagen je kürzer mein nächster Blog wird, desto besser hat es mir hier auf der Insel gefallen. Denn momentan kann ich mir nicht vorstellen, dass ein weiterer Monat hier mir allzu viel Stoff für spannende Erzählungen liefert. Aber, man weiß ja nie, was die Zukunft bringt, gell!

In diesem Sinne Euch eine fantastische Vorweihnachtszeit! Genießt sie! Ich kann mir richtig vorstellen, wie ihr schön Glühweintrinken trinkt und Enten esst und überall der leichte Hauch von Zimt in der Luft liegt. Ich hätte das auch gern…so für einen Abend…dann aber schnell wieder zurück in Paradies 🙂

 

Ich denk an Euch & wünsche Euch das beste Weihnachten ever !!

Eure Emily

Und weil’s hier auch grad so cheesy ist, ein Lied, dass dem entspricht:

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7 Gedanken zu „Monat 6, Mexiko

  1. Endlich wieder was von dir zu hören. Hatte schon drauf gewartet!
    Musste sehr schmunzeln, als du mich vor dem Flughafen sitzend beschrieben hast. Lustigerweise erzähle ich die Geschichte von meiner Seite her auch sehr gerne, weil sie das ausdrückt, wie verquert und unentspannt viele Leute selbst im Urlaub sind. Mittlerweile sind meine Haare wieder ordentlich kurz, die Bräune schwindet und der Rucksack ist wieder im Keller. Und ich trauere der Zeit ein wenig nach…

    Es freut mich, dass ich dich auf eine Insel geführt habe, die dir jetzt als temporäres Zuhause dient. Und noch besser ist, dass es nahe am Flughafen ist. Sollte mir hier fad werden, komme ich wieder vorbei. Ansonsten: Nicaragua! 😉 Definitiv eine Reise wert!

    • mein lieber eike! ja, mich freut es auch, dass du mich hierher geführt hast!! ich fühle mich hier wirklich wie zuhause…
      und, du bist mehr als willkommen mich jederzeit besuchen zu kommen! du kennst ja den Weg !!
      busserl & weiterhin gutes Einleben in München

  2. I enjoy you blog very much. I put in Google translate. The translation is lacking as it often makes you sound a little „slow“….LOL. Sounds like you are having a wonderful time. I did laugh when you described being around so many people all the time. I remember your visit here at 16…… in our small apartment — you said you weren’t used to be around so many people all the time (3 of us)…. Times certainly have changed. Love Diane

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