5 Monate USA

Als ich letzten Monat anfing den Blog für ‚4 Monate USA‘ zu schreiben, fiel mir recht schnell auf, dass ich neben einigen Erzählungen zu dem Erlebten doch hauptsächlich nur USA-Resumees im Kopf hatte. Daraufhin habe ich beschlossen die letzten 2 Monate zusammenzufassen. Sie waren nämlich beide mehr klassische „Urlaubs“ oder auch „Abschluss“- statt „Feldstudien“-Wochen. Ich habe meine Erkundungen weitgehend abgeschlossen, denn in den ersten 3 Monaten habe ich so ziemlich alles, was mich zum Thema Alltag, Arbeit und Organisatorisches interessierte, bereits herausgefunden. Und jetzt stand mir noch eine ganz wunderbare Zeit bevor, in der ich mich hauptsächlich mit Freunden amüsieren und die schönsten Seiten Kaliforniens genießen wollte.

Und, diese 2 Monate waren wirklich mehr als unglaublich!

Sebastian, mein so guter Freund, der mir schon sehr fehlte, war 3 Wochen hier bei mir und Marcel, ebenfalls ein guter Freund aus München, war auch gerade 2 Wochen hier. Ich war seit Ende August insgesamt 3x in San Francisco, 4x in LA, 3x in Santa Cruz, in Monterey, San Diego, Las Vegas, Yosemite und Inyo National Park, habe endlich geschafft einen klassischen road trip in einem Mustang Cabrio zu machen, habe Sonnenuntergänge gesehen, bin mit meinem besten Freund über die Golden Gate Bridge geradelt und auf dem Russian River Boot fahren, habe die Endeavour vorbeifliegen gesehen, bin den Highway 1 rauf und runter gefahren, saß auch mal hinten in einem amerikanischen Polizeiwagen, habe Abende in den berühmtesten Rockkneipen auf dem Sunset Blvd in LA verbracht, war Campen und auf Festivals und, habe viele Sternschnuppen und Unmengen an wunderbaren Tieren gesehen (Monarch Schmetterlinge auf ihrer unglaublichen Wanderung, Waschbären – so süß und doch so biestig, Robben – eher schon Standard hier in Kalifornien, Delfine – als freudige Gang mit riesengroßem Spieltrieb ganz nah am Strand vorbeischwimmend, Rehe – die einem leider viel zu oft vor das Auto laufen, Raubvögel – überall Raubvögel, Pelikane – in ähnlichen Gangs wie die Delfine ganz knapp über der Wasseroberfläche dahin gleitend, ich war auch im Bären- und „Mountain lion“-Gebiet – habe aber selbst keine gesehen…), ich war in Wüsten wie von einem anderen Stern und in Wälder mit riesigen Redwood-Bäumen (jetzt habe ich auch eine Ahnung, wie die Welt aus Sicht eines klitzekleinen Tierchens sein muss, denn so habe ich mich dort gefühlt), ich war in Bergen mit heißen Quellen und eiskalten Seen, lang an Sandstränden und saß oberhalb rauer Klippen, ich habe neue Freunde kennen gelernt, und, ganz wichtig, ich habe meine Freunde aus München mit meinen Freunden aus Kalifornien bekannt gemacht und mit ihnen allen gemeinsam viele Feste gefeiert und wunderschöne Erlebnisse gehabt. Ich habe mich noch mehr in diese unfassbar überwältigende Natur und in die Freundlichkeit der Menschen hier verliebt und festgestellt, dass mir Kalifornien definitiv fehlen wird. Ich kenne mich hier inzwischen aus, war schon fast überall, kenne in allen großen Städten Leute, weiß über viele Probleme der USA und Kaliforniens Bescheid und fühle mich hier trotzdem sehr sehr wohl.

Noch immer bin ich überwältigt von all diesen Eindrücken. Und, wenn man das alles so sieht, versteht man auch, warum gerade hier so viele so umweltbewusste Menschen leben. Hier gibt es alles und von allem so viel, das muss man einfach schützen!

Und, natürlich nicht zu vergessen, das Wetter! Endlich bin ich an einem Ort, an dem es warm bleibt. Auf den Ausfall des Winters freue ich mich besonders und ich habe gehört, dass in München der erste Schnee angekommen ist. Jetzt geht‘s also langsam los, dass ich merke, dass es hier einfach so warm bleiben wird. Die Regentage nehmen zwar an Häufigkeit zu, aber das ist nichts im Vergleich zum deutschen Herbst/Winter. Dieses Klima hier hat schon sau viel für sich und mir persönlich gefällt‘s hervorragend!

Nach diesem doch sehr langen Loblied auf Kalifornien muss ich trotzdem sagen, die Probleme die ich bereits in den Monaten zuvor angesprochen habe, sehe ich immer noch. Ich bin mir auch nicht sicher, wie ich in Zukunft darüber denken werde, denn das Schöne überwiegt für mich zwar noch aber der schlechte Zustand so vieler Menschen hier lässt mich nicht los. Ich bin dies ja eigentlich aus meinen vergangenen Reisen in viel ärmere Länder gewohnt. Nur da haben wir es auch schon, diese Länder sind eben viel ärmer. In einem westlichen, doch verhältnismäßig reichen Land, solche Zustände Tag täglich mit ansehen zu müssen, will mir einfach nicht in den Kopf. Außerdem höre ich auch immer wieder, dass gerade in diesem Teil Kaliforniens die Lebenshaltungskosten sehr hoch sind und viele Menschen Schwierigkeiten haben durchzukommen mit dem Geld, das sie verdienen. Und hiermit kommen wir dann doch mal wieder zu dem Thema Politik.

Es ist besonders interessant für mich in der Zeit vor der Wahl hier zu sein. Die heiße Phase des Wahlkampfs mitzuerleben ermöglicht mir unglaublich viel über das politische System und – noch viel wichtiger – das Verhältnis der Amerikaner zu ihrer Politik und Regierung zu lernen. Vieles ist für mich nachvollziehbarer geworden und einiges wird mir wohl immer ein Rätsel bleiben. Das war vor Monaten schon so und hat sich bisher auch noch nicht geändert.

Das System hier, und das ist keine Neuigkeit, kann leider ohne große fundamentale Änderungen, nicht viel besser werden. Das liegt einfach an dem System an sich. Was mir allerdings einen gehörigen Respekt einflößt ist, dass es ohne den konstanten Druck der Bevölkerung sehr leicht sehr viel schlechter werden könnte. Und da liegt ein Grund, warum ich gelernt habe vor den Amerikanern großen Respekt zu haben – zumindest vor denen, die ich in meinem Umfeld habe und denen, die ich hier in diesem ‚Goldenen Staat Amerikas‘ (so wird Kalifornien auch genannt) sonst so kennengelernt habe. Sie leisten Widerstand und üben Druck aus und, noch wichtiger, werden dessen nicht müde. Mir ist total bewusst, dass in anderen, leider sehr großen Teilen Amerikas, die Menschen komplett anders funktionieren. Aber über sie weiß ich nur sehr wenig. Vielleicht fahre ich bei einer zukünftigen Reise genau dort hin und versuche mir diese Menschen etwas genauer anzusehen, so rein aus Interesse.

Aber jetzt kann ich nur eins tun und mein Versprechen vielen Leuten hier gegenüber einhalten. Ich werde wählen! Im September habe ich einige Zeit damit verbracht mich für die Wahlen anzumelden. Da ich am 06.11. die USA verlasse, muss meine Stimmabgabe per Briewahl erfolgen. Aber wie immer im Umgang mit Behörden bedurfte dies mehrere Anläufe. Die Bürokratie ist hier oftmals ähnlich kompliziert wie in Deutschland. Und obwohl ich die Sprache spreche, hatte ich trotzdem oft Schwierigkeiten zu verstehen, was ich genau machen sollte. Aber, nicht so schlimm. Ich habe mich da geduldig durchgearbeitet und erwarte täglich meinen Wahlschein. Hier in Amerika ist das Wählen eine wirklich große Sache. Meine Familie und Freunde reden darüber, eher wie… hmm… sagen wir mal eine Abschlussprüfung oder so was. Also so gar nicht wie in Deutschland, wo man zwar mal kurz darüber spricht, aber eher den Eindruck hat als würde es niemand wirklich bewegen. Hier gibt es freudige FB-Posts sobald man endlich wählen gehen kann (es gibt nämlich auch die Möglichkeit vorzeitig zu wählen, das habe ich aber erst nach der Anmeldung zur Briefwahl erfahren, sonst hätte ich wohl das gemacht). Und es gibt wirklich keinen, der nicht darauf bestanden hat, dass ich mich zur Wahl anmelde und meine Stimme abgebe. Obwohl dies in einem Staat wie Kalifornien gar nicht so wichtig ist wie in manch anderem Staat. Denn Kalifornien ist historisch gesehen demokratisch, d.h. Obama hat Kalifornien praktisch schon in der Tasche. Da fällt die Stimme von einem Wähler mehr nicht ins Gewicht. Trotzdem. Ich machs. Denn schließlich geht’s nicht nur um den Presidenten sondern um viele andere Sachen auch. Aber so einfach ist das gar nicht. Ich muss mich mit vielem auseinandersetzen um zu verstehen, was die einzelnen Punkte wirklich bedeuten und was bzw. wer dahinter steht. Denn das ist alles komplettes Neuland für mich und ich will ja schließlich nicht unwissend einfach irgendetwas ankreuzen.

So, nun genug zu diesem Thema, denn mir stehen hier in den USA auch noch ein paar sehr freudige Ereignisse bevor, die ich an dieser Stelle auch schon mal erwähnen will. Nächste Woche werde ich nämlich Halloween, den Geburtstag von Greg und meinen Abschied aus Kalifornien in LA feiern, um dann von dort aus nach Houston/Texas zu fliegen. Dort werde ich dann zu der Hochzeit meines Cousins gehen und einige Tage mit meiner Familie verbringen. Das wird das erste Mal, dass ich an einer großen Familienfeier in Amerika teilnehme. So viele von den entfernteren Familienmitgliedern kenne ich bisher noch gar nicht. Ich bin mir sicher, dass das ganz ganz groß wird. Was für ein wunderbarer Abschluss dieser 5 Monate!

Dann reicht‘s aber auch erst mal mit den USA !!  Und ob ich hierhin zurückkehren werde, um hier einen neuen Lebensabschnitt zu beginnen oder nicht, werde ich erst in einigen Monaten entscheiden.

Und zwar grob gesagt auf dieser Grundlage von Informationen:

  • New Orleans hat mein Herz berührt und lässt mich bis heute nicht los
  • In Los Angeles und New Orleans gibt es genügend Wohnungen, die ich mir leisten könnte (und wenn das in LA so ist, sollte die Lage in San Diego auch nicht viel anders aussehen)
  • San Diego gefällt mir nämlich auch sehr, besonders die Umgebung mit den Wüsten und Mexiko direkt angrenzend, das ganzjährige warme bis heiße Wetter, das etwas wärmere Wasser des Pazifischen Ozeans (weiter nördlich ist es nämlich extrem kalt und schwimmen daher eher schwierig) und die sehr netten Leute mit ihrer unglaublich entspannten Mentalität
  • In LA und San Diego gibt es zusätzlich auch noch recht viele Jobmöglichkeiten
  • In New Orleans sollte Geld verdienen auch nicht so schwer sein, aber dort konzentriert sich das fast ausschließlich auf Gastronomie und Tourismus und weniger auf Festanstellungen
  • Das Leben ist prinzipiell viel entspannter in den USA als in Deutschland, vorausgesetzt man hat Geld
  • Aber die Menschen kämpfen mit der mangelnden sozialen Absicherung und den hohen Lebensunterhaltskosten
  • Sie haben dafür aber eine unglaubliche Vielfalt an überwältigender Natur
  • Die Politik macht mir in der Tat ein bisschen Sorgen (obwohl man das wahrscheinlich in fast jedem Land außerhalb von Europa sagen kann)
  • New Orleans hat leider diese fiesen Hurrikans und Kalifornien ihre Erdbeben
  • Und, zieht man hier her, muss man sich leider auch mit dem großen Problem der Obdachlosen auf den Straßen auseinandersetzen
  • Ich fühle mich hier erstaunlicherweise gar nicht so fremd wie befürchtet und finde sehr schnell Anschluss
  • Und … den Rest werde ich wohl einfach wissen oder besser gesagt fühlen sobald die Zeit dafür reif ist

Eins kann ich aber jetzt schon sagen, Amerika und ich gehen nach dieser Zeit definitiv als Freunde auseinander. Ich mag Amerika und Amerika scheint auch mit mir kein Problem zu haben.

Als Nächstes steht an, und ich kann es kaum erwarten, Mexiko und Mittelamerika!!!

Toll toll toll: Karibik, Dschungel, Spanisch !!! Ich bin schon ganz aufgeregt und will endlich los! Auch dort werde ich erst mal ein paar gute Freunde treffen, die aus verschiedenen Himmelsrichtungen anreisen, und weiß jetzt schon, dass es eigentlich nur grandios werden kann… toi toi toi! (ich bin bei solchen Aussagen ein bisschen abergläubisch und gehe daher lieber auf Nummer sicher 😉 )

Und noch abschließend für alle, die es interessiert ob mir das Reisen an sich schon langsam auf die Nerven geht. Nein, tut es nicht! Nach 5 Monaten des Herumreisens freue ich mich zwar mehr über die Tage, an denen ich mich in Ruhe hinsetzen und schreiben kann sowie über die Tage, an denen ich die Zeit finde, meine Wäsche zu waschen. Ich genieße es auch mehr und mehr wenn jemand für mich eine gute gesunde Malzeit kocht, oder über andere kleine oder große Ruhepausen zwischen all den Entdeckungstouren und anderen aufregenderen Zeiten um die ganzen gesammelten Eindrücke verarbeiten zu können. Aber müde von Reisen bin ich noch lange nicht. Mal sehen ob das in ein paar Monaten immer noch so aussieht…

In diesem Sinne, lasst es Euch allen ganz wunderbar ergehen und übersteht den blöden deutschen November, denn dann steht Euch die traumhafte Adventszeit bevor. Und das ist doch definitiv eine tolle Zeit des Jahres!

Eure Emily

Tipp: wer ein Hostel oder Hotel in Los Angeles sucht: Orange Drive Manor Hostel – direkt hinter dem Dolby Theatre (ehemals Kodac Theatre) mitten in Hollywood und trotzdem ruhig, sauber und günstig. Es ist ein altes Haus mit Charme und interessanten Leuten, die dort ein und aus gehen. Das findet man in der Kombination mit sauber und günstig besonders in LA nicht oft.

Und, ganz wichtig!! Unbedingt den Highway 1 komplett rauf oder runter fahren. Das ist ein einziges Naturschauspiel!
zum Abschluss 1x Kalifornien & 1x New Orleans

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7 Gedanken zu „5 Monate USA

      • Oh. Das tut mir Leid. Aber ich bekam einfach zu viel Spam, so dass ich das ein wenig filtern musste. Warum du als „unsicher“ eingestuft wurdest, weiß ich jetzt auch nicht. Werde das mal versuchen rauszufinden. Vielen Dank trotzdem.

      • Emily, vielen Dank. Habe das Problem vorerst gelöst. Du solltest jetzt in der Lage sein wieder Kommentare zu hinterlassen.
        Offenbar mag das Plugin Jetpack mein Anti-Spam-Plugin „Antibee“ nicht. Habe die Kommentarfunktion von Jetpack abgeschaltet. Aber bitte teste es kurz.
        (schön mal wieder „wichtiges“ Technikzeug zu bereden 😉 )

  1. Ganz grossartig emily!!! wunderbar reflektierend, so interessant, einfach rundum toll. Bitte weiterschreiben. eine tolle ankunft in Mexico, geniess die waerme, die luftfeuchtigkeit, das gruen und ja, wie toll, alles um dich herrum ist spanisch. que buenooo. Drueck Dich, hab dich lieb, kuss Jenny

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