5 Monate später, Monat 15 Mexiko

Es ist Hurrikansaison und ich sitze seit 2 Wochen im tropischen Regen. Hurrikan Ingrid wütet gerade an der Ostküste Mexikos und ich erlebe die Ausläufer des Sturms. Cancun und Isla Mujeres sind, Gott sei Dank, nicht in Reichweite des Sturms. Aber stetig spürt man seine Anwesenheit. Es regnet jeden Tag mehrmals, manchmal von kurzen aber heftigen Böen begleitet. Die Wolkendecke über uns ist dick und hängt sich da fest ohne Aussicht auf schnelle Besserung. Die Straßen werden bei jedem Regenguss, also oft mehrmals am Tag, teilweise kniehoch überflutet. Der Tourismus, der zu dieser Jahreszeit eh nicht besonders am Brummen ist, ist jetzt eh noch viel weniger geworden. Strand und Outdoor-Aktivitäten aller Art sind zurzeit selten bis gar nicht machbar. Eigentlich warten alle nur auf das Ende des Sturms, denn schließlich gibt es in der Karibik quasi ausschließlich nur Outdoor-Aktivitäten. Ganz zu schweigen von den schlimmen Meldungen aus anderen Teilen Mexikos. Und hier auf der Insel leben viele, die von dort kommen. Alles in allem ist die Stimmung eher gedrückt. Bei mir allerdings nicht! Ich komme endlich wieder etwas zur Ruhe und habe Zeit und Muße unter anderem auch mal wieder zu schreiben.

Lange Zeit habe ich nichts von mir hören lassen. Das Letzte, was ich schrieb war, dass ich es jetzt ruhiger angehen lasse und mich auf das Wesentliche konzentrieren will.

Das habe ich auch gemacht, ganz anders als zunächst gedacht, aber ich habe mich in der Tat mit vielen sehr wichtigen Themen beschäftigt.

Nach meinem letzten Blog bin ich noch 3 Monate länger in Mexiko geblieben, bevor ich Ende Juli für 2 Monate zurück nach Deutschland gereist bin.

Zurück bin ich aus verschiedenen Gründen. Der erste und Wichtigste war, nach über einem Jahr Abwesenheit, wieder meine Eltern und Freunde zu sehen. Ein Jahr ist eine lange Zeit und der Sommer in München war für mich genau das Richtige, um mit all meinen lieben Menschen in der Heimat wieder etwas Zeit zu verbringen. Zudem habe ich die Gelegenheit genutzt vieles in Deutschland zu organisieren. Nach so langer Zeit muss man sich doch mal wieder um alles, was da noch so läuft (Banken, Versicherungen, Ämter, Steuern, etc.) kümmern und ich musste mich auch mit einem Haufen Papierkram bezüglich Mexiko und Deutschland (Gesetze, Rechte und Pflichten in beiden Ländern, Auswanderung ja/nein, all so ein Kram eben) beschäftigen.

Es war ein toller Sommer! Das Wetter war super! Allen scheint es richtig gut zu gehen und ich habe auch ein paar neue kleine Menschen, alle im zarten Alter von circa 1 Jahr kennengelernt. Was will man mehr!! Natürlich war es aber auch hier und da nicht ganz so einfach wieder in München zu sein. Inzwischen habe ich nämlich hier in Mexiko auch eine Beziehung und er fehlte mir natürlich sehr. Auch war ich etwas überwältigt von so viel Reden, so viele Fragen beantworten und so viel Small Talk. Ich habe davor fast 8 Monate auf einer klitzekleinen Insel gelebt und war von so vielen Menschen und so viel Konversation überrascht und eben auch hin und wieder überwältigt.

Als ich allerdings anfing mich daran zu gewöhnen, gefiel mir das aber ehrlich gesagt auch nicht viel besser. Ich habe einfach festgestellt, dass mir mein neues Zuhause fehlt, das ruhige Leben, die Menschen, die meist ihre Probleme nicht überbewerten und die Entspanntheit der Personen, ob im Supermarkt, dem Taxi oder sonst wo. Wie es die Menschen hier in Mexiko handhaben gefällt mir großteils einfach besser als das deutsche Pendant.

Trotzdem, da ich mit fast allen, die mir wichtig sind, viel außerordentlich gute Zeit verbracht habe und auch sonst alles geregelt habe, bin ich Ende August mit einem sehr guten neuen Gefühl wieder hier her zurückgekommen. Mir haben Deutschland und einige Menschen darin einen solchen wunderbaren neuen Auftrieb gegeben. Ich habe viele Ideen, wie die Zukunft hier aussehen könnte, was ich machen kann und was nicht und weiß meine Zeit hier inzwischen viel sinnvoller zu nutzen.

Deutschland war aber auch eine Probe, ob ich denn mit Mexiko tatsächlich die richtige Entscheidung getroffen habe. Ich fühle mich bestätigt darin das Richtige zu tun. Und seit dieser Rückkehr fühlt sich hier alles jedenfalls viel echter an, viel realer. Ich bin am Flughafen erwartet und „nach Hause“ gebracht worden.

Und euch dieses neue Zuhause vorzustellen, damit werde ich mich in nächster Zeit etwas eingehender beschäftigen. Ich werde euch ein paar Besonderheiten des Lebens hier und auch ganz alltägliche Gegebenheiten beschreiben. Denn es ist schon oft ganz schön anders, als man das sonst so kennt.

Bis dahin wünsche ich Euch eine super Wiesn und noch so oft, wie möglich schönes Wetter bevor der Herbst Einzug hält.

Und an alle Lieben, mit denen ich die 2 Monate in München verbracht habe: Ihr seid die Besten!! I LOVE YOU 🙂

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Monat 9-10, Mexiko*USA*Mexiko

Schon wieder zwei Monate rum. Und es ist viel passiert in der Zeit…

Im Letzten meiner am Ende nun doch 4 Monate Isla Mujeres habe ich mich hauptsächlich mit dem Thema Arbeitsgenehmigung beschäftigt. Ich wollte arbeiten, aber legal, denn eine Deportation wollte ich nicht riskieren.  Ich habe mit einem Anwalt gesprochen und herausgefunden, dass sich die Gesetzeslage in Mexiko leider vor einigen Monaten zu meinem Nachteil geändert hat. Früher war es wohl ziemlich einfach Genehmigungen zu bekommen. Jetzt aber nicht mehr. Der Anwalt sagte mir, dass ich entweder einen Arbeitgeber finden muss, der diese für mich beantragt oder ich von meinem Heimatland aus im mexikanischen Konsulat einen Antrag stellen kann. Das Problem mit der Variante „ein Arbeitgeber macht das für mich“ ist, dass ich dann nur in dieser angegebenen Stelle arbeiten kann. Und keiner der mir bisher angebotenen Jobs käme für mich dafür infrage.

Zusätzlich zu diesen Schwierigkeiten suchte mich nach dieser langen Zeit nun doch auch langsam das Inselfieber heim. Mir wurde diese Enge und das intensive Sozialleben zu viel. Wie immer wenn man länger irgendwo ist, passt man sich an und verliert die Sicht aufs große Ganze.  Um Entscheidungen zu fällen, hätte ich aber gerade diese gebraucht. Also beschloss ich kurzerhand wieder in die USA zu reisen, um dort ein bisschen Abstand und einen klaren Kopf zu bekommen. Und, natürlich, wenn ich schon mal da bin, mit dem Konsulat über eine mögliche Arbeitsgenehmigung zu sprechen.

Der Abschied fiel mir diesmal natürlich wieder schwer. Meine Freunde waren sehr traurig, dass ich gehe. Obwohl auch einige gleich sagten „du kommst wieder! Es ist nur eine Frage der Zeit…“. Ich war mir da allerdings nicht ganz so sicher. Vielleicht ja, vielleicht nein. Das würde sich erst alles noch herausstellen.

Also flog ich nach LA zurück. Ich freute mich zunächst wahnsinnig wieder in meinem „zweiten Zuhause“ zu sein. Das Leben in der Stadt war aber, nach so langer Zeit in der Karibik, etwas seltsam für mich. LA war groß, schnell und laut… und, weil auch dort gerade Winter war, kalt. Gut, mit Deutschland verglichen immer noch warm, aber doch irgendwie ein wenig trist. Meine Freunde und ich zelebrierten als Erstes meine Rückkehr, kurz danach machte ich mich aber gleich daran mit den Behörden zu reden. Leider gab es wieder schlechte Nachrichten. Ich fand heraus, dass ich keine Chance außer einer „Full-Sponsorship“ eines Arbeitgebers oder einer Heirat habe. Also doch nicht ganz so einfach, wie mir mein mexikanischer Anwalt sagte. Ein Sponsor muss nämlich nicht nur den Antrag stellen, er muss auch noch finanzielle Garantien übernehmen. Und wie gesagt, die Jobs, die ich zur Auswahl hatte, waren dafür einfach nicht geeignet. Und selber einfach so beantragen geht gar nicht.

Meine Stimmung war dementsprechend für einige Tage ziemlich getrübt. Ich wusste nicht, was ich als Nächstes tun sollte. Wollte ich es weiter mit Mexiko probieren? Sollte ich es vielleicht mal mit Nicaragua probieren? Gehe ich nun doch endlich wieder nach Kolumbien? Sollte ich mir in Kalifornien einen Job suchen? Oder musste ich es vielleicht einfach aufgeben und wieder nach München zurückgehen?  Puh… ich hatte überhaupt keine Ahnung, was ich wollte.

Mir tat es sehr gut gerade in dieser Phase mit meinen engen Freunden in dieser vertrauten Umgebung, weit weg von der Insel, zu sein. Aber nach einer kurzen Zeit stellte ich fest, dass ich weder in der USA bleiben noch nach München zurück wollte. Obwohl ich zugeben muss, dass mir etwas in München sehr fehlt … Meine Familie und Freunde! Sie fehlen mir unglaublich und sie fehlen mir von Woche zu Woche mehr. Ich freue mich jetzt schon auf den Tag, wenn ich sie alle wieder sehen und mit ihnen Zeit verbringen kann. Aber dafür ist es jetzt einfach noch ein bisschen zu früh. Bliebt also Mexiko oder ein anderes Land. Da ich mich nun schon so lang in Mexiko aufgehalten habe und doch noch kaum was davon gesehen habe, habe ich eines Abends doch entschieden einfach so schnell wie möglich nach Mexiko City zu fliegen und vor dort aus das Land zu bereisen. Zudem liegt es ja quasi auf dem Weg nach Nicaragua. Ich wollte dieses Land wieder genießen und noch eine Weile darauf warten, ob vielleicht doch noch irgendetwas Hilfreiches passiert. Das war also der neue Plan. Sofort wurde meine Stimmung wieder besser und das war dann auch die Bestätigung für mich, dass das eine gute Entscheidung war.

Nach nur zwei Wochen in den Staaten flog ich also nach Mexiko D.F. (die Mexikaner nennen Mexiko City oft einfach nur D.F.). Ich war aufgeregt, so eine große Stadt! 20 Millionen Menschen. Ich hatte keine Ahnung was mich dort erwarten würde. Zwar war ich schon in einigen großen Städten auf dieser Welt aber keine davon war mexikanisch. Und davor hatte ich schon ein wenig Respekt. Um dort nicht so verloren zu sein, beschloss ich mir kein Hostel, sondern einen Couchsurfing-Host zu suchen. Das war eine sehr gute Entscheidung.

Ich kam bei einem sehr netten Bolivianer unter, der gleichzeitig auch seinen Vater, einen sehr netten bolivianischen Rentner zu Besuch hatte.

Mit ihm habe ich das volle Touristenprogramm durchgezogen. Da dieser Herr kein Wort Englisch spricht, war das gleichzeitig auch eine hervorragende Spanischübung für mich. Wir haben unglaublich viele Kilometer zurückgelegt und den ganzen Tag über Gott und die Welt geplaudert. U. A. sind wir auch ins antropologische Museum gegangen. Dort haben wir den ganzen Tag verbracht und jetzt weiß ich in der Tat sehr sehr viel mehr über Mexiko und die verschiedenen Stämme, die es in diesem Land gab und zum Teil noch gibt. Kann ich jedem, der dort hinfährt, nur wärmstens empfehlen. Am nächsten Tag dann noch eine klassische Stadtrundfahrt, die aufgrund der überdimensionalen Größe dieser Stadt (sie ist noch mal größer als Los Angeles) den ganzen Tag dauerte. Anders hätte ich aufgrund der Entfernungen wohl am Ende doch nur sehr wenig zu sehen bekommen. Dann hatte ich aber auch schon wieder genug von dem Stress dieser Metropole, in der alles etwas überdimensioniert ist.

In diesen Tagen ist auch noch etwas ganz Bedeutsames passiert: ich bekam ich einen Anruf von der Insel. Es war ein Mann, der über meine dort Freunde von mir gehört hatte. Er hätte eine Stelle für mich und würde mich daher gerne kennenlernen. Und, er hätte auch nichts dagegen eine „Full-Sponsorship“ für mich zu übernehmen, sollte das Gespräch gut laufen. Er habe unglaubliche Probleme jemand Passendes zu finden, denn er hat Katamarane, mit denen er  Touren in der Karibik anbietet und das Geschäft zieht stetig an. Da er inzwischen damit so eingespannt ist, brauche er Hilfe. Ich hatte zwar gehört, dass meine Freunde versuchen mich wieder zurückzubringen, aber das war nun doch eine riesen Überraschung. Was Konkretes was auch noch klappen könnte. Und der Job hört sich auch noch gut an! Zwar nichts um Karriere zu machen, aber das braucht‘s auch nicht in der Karibik. Ich war begeistert.

Er fragte mich, wie schnell ich denn zu einem Interview kommen könnte.

Da ich ja nun aber gerade erst in Mexiko angekommen war, schlug ich noch ein paar Tage heraus. Aber trotzdem, ich musste umplanen und meine Reise etwas beschleunigen. Nach 3 Nächten in der großen Stadt bin ich schnell nach Palenque weiter gereist. Palenque liegt genau in der Mitte zwischen Cancún und D.F. und ist umgeben von einem wunderschönen Dschungelgebiet. Und Dschungel fehlte bisher definitiv noch auf meiner Reise.

Ich habe dort letzte Woche ein paar Tage die wunderschöne Natur genossen, um dann gleich weiter in Richtung Insel zu fahren. Seit einigen Tagen bin ich nun also wieder in meinem „dritten Zuhause“. Ich bin selbst ein bisschen überrumpelt, das ging jetzt alles viel schneller als gedacht!

Ich lebe wieder in dem Hostel und bin vorgestern sogar wieder in das große Zelt eingezogen. Alles so als wäre ich nie weg gewesen. Sehr verwirrend… ich bin echt gespannt darauf, wie lange ich diesmal hier bleibe. Aber, wie gesagt, es ist nicht einfach von hier wegzukommen. Ihr seht ja jetzt selbst, was ich meine 😉

Ob das mit dem Job was wird, wird sich noch herausstellen. Die ersten Gespräche haben wir schon geführt. Es ist eine wirklich große Chance mit viel Verantwortung und eine Arbeit, die ich sehr gerne machen würde. Zurzeit stehen wir aber noch in Verhandlungen, was die Konditionen angeht. Ich hätte extrem viel zu lernen, denn was weiß ich schon über das Segeln und Boote und so. Sie müssten mir also schon eine große Chance geben. Falls sie dieses Risiko am Ende doch nicht eingehen wollen oder die Migrationsbehörde uns Schwierigkeiten macht, wäre es zwar schade, aber die letzten Tage haben mir wieder Hoffnung gegeben, dass es hier schon noch Möglichkeiten für mich gibt…und ich bin überglücklich über diese Wendung.

Das Leben auf der Insel gehe ich diesmal jedenfalls ein wenig anders an. Ich bin ruhiger und konzentrierter als noch vor einiger Zeit.Viele meiner Freunde sind zurzeit nicht hier und ich vermisse meine Lieben in Deutschland sehr. Mir hilft das mich aufs Wesentliche zu konzentrieren.  Und das Wesentliche ist mir hier oder an einem anderen Ort auf der Welt eine mögliche Zukunft aufzubauen. Es ist ein wirklich gutes Gefühl wieder fokussiert zu sein. Denn so langsam wurde meine Realität hier im Paradies schwierig. Ich bin ins Schwimmen gekommen. Es musste sich was ändern. Und es hat sich was geändert. Selbst wenn aus dem Job nichts werden sollte und mir dieses Angebot am Ende nur dabei geholfen hat meine Sicht und Einstellung zu ändern, auch egal, denn das war das wichtigste!

In diesem Sinne, bis ganz bald meine Lieben!

PS. ich wünsche Euch endlich einen wunderschönen warmen und sonnigen Frühling !! Ihr habt es Euch nach diesem so langen Winter wirklich verdient !

Monat 7-8, Mexiko

Nach nun fast 3 Monaten in Mexiko auf der wunderbaren Insel Isla Mujeres verändert sich so langsam was für mich.

Es gäbe zwar inzwischen sogar einige Gründe die Insel zu verlassen, aber die Gründe, die für das Hierbleiben sprechen überwiegen.

Dieser Ort hat unbestritten etwas Magisches. Viele Menschen bleiben hier für eine lange Zeit, manche sogar Jahre. Und alle sagen das Gleiche. Es ist hier so friedlich, so perfekt um sich das Leben so zu gestalten, wie man es gerne möchte. Nichts hier ist weit entfernt und es gibt von allem, was das Herz begehren könnte, etwas. Es gibt ein paar Resorts, ein paar Backpacker-Unterkünfte, jeden Abend sind einige Leute unterwegs und gehen aus, jeden Abend kann man sich aber auch am Lagerfeuer oder sonst wo einen ruhigen Abend machen und sich mit Freunden unterhalten, die Leute hier haben Geld, sind aber nicht reich, es gibt ein paar freie Jobs und ein paar bezahlbare Wohnungen. Es ist also alles ziemlich gut eingerichtet hier. Man kann tagsüber sogar umsonst an verschiedensten Aktivitäten teilnehmen (Yoga, manchmal auch Pilates, Juggling/Jonglieren, Spanischunterricht, Macrame (das Knüpfen von Schmuck aus bunten Fäden), Akrobatik an speziellem Stoff das an einer Palme festgebunden ist und natürlich auch Salsa-Unterricht) oder auch nicht. Ganz wie man möchte. Fast jeder Tag ist perfekt für ein paar Stunden Stand. Die Sonne scheint so gut wie immer. Und ist das Wetter mal schlecht ist‘s auch gut. Man kommt dann endlich mal dazu andere Sachen zu machen. Und die Menschen, die hier Leben, sind alle interessant und einige eignen sich auch noch als gute Freunde. Vielleicht schreibe ich später noch was über den einen oder anderen Charakter hier. Man kann wirklich sagen, trotz des begrenzten Raumes und des vielen Tourismus, ist es hier nahezu perfekt. Und bildhübsch ist es auch noch.

Aber, ich wollte ja tiefer rein in die Materie als das. Damit habe ich die letzten Wochen nun auch verbracht. Ich habe den Alltag hier erlebt, die verschiedenen Realitäten der Touristen, die hier kurz mal haltmachen, den Reisenden, die hier ein paar Monate bleiben und den Leuten, die hier Leben, gesehen. Und, wie zu erwarten, wird‘s dann auch erst so richtig spannend. Ich stoße jetzt das erste Mal auf dieser Reise so langsam auf ein paar Schwierigkeiten. Ich lerne die Mentalitäten besser kennen und die Unterschiede zwischen den verschiedenen Menschen, deren Wege sich hier kreuzen. Sie haben alle ihre ganz eigene Vorgeschichte und viele tragen auch viel Ballast mit sich rum. Es gibt immer Gründe, warum man sich für eine Insel irgenwo in der Karibik entscheidet. Der Hauptgrund bei den Mexikanern und Argentiniern ist das Geldverdienen. Hier ist es nicht schwer zu arbeiten und seinen Anteil am Geld der Touristen abzubekommen. Die anderen, z.B. Australier und Amerikaner, die hier leben, haben meist ganz andere Gründe und alle sehr individuell. Aber eins haben alle gemeinsam. Die Liebe zur Insel. Schon komisch.

Die Beziehungen auf der Insel sind gezwungenermaßen sehr eng, wir verbringen schließlich 24 Stunden des Tages gemeinsam auf einer Fläche von geschätzt 1 Quadradkilometer. Denn alles ballt sich hier um das Dorf und den Strand. Beides in 2-4 Minuten Gehweite von meinem Zuhause entfernt. Das soziale Leben ist hier komplett anders als an so manch anderem Ort. Es ist hier beispielsweise schwer zu streiten. Erstens sind die meisten viel zu entspannt um sich wirklich streiten zu wollen, und tun sie es dann doch, so vertragen sie sich meist sehr schnell wieder. Man sieht sich schließlich eh ständig und so wichtig ist’s meist ja dann doch nicht. Hier bringt es irgendwie nichts, sich über andere zu ärgern. Denn die meisten kann man eh bis zu ihrer Abreise einfach aussitzen.  Das sind definitiv andere Voraussetzungen als in Deutschland.

Ich bin jedenfalls inzwischen ein Teil dieser Insel geworden und mag das auch so. Dieser Ort ist für mich was ganz Besonderes und ich will hier (eigentlich) nicht wieder weg. Außerdem weiß ich auch, dass einem die Insel gar nicht so einfach gehen lässt. In den letzten 2 Monaten habe ich gesehen, dass so ziemlich jeder, der Insel verlassen hat und dem das irgendwie möglich war, wieder zurückgekommen ist. Es ist für uns alle hier nicht die Frage, ob wir wieder zurückkommen. Es ist eigentlich nur die Frage, wann wir wieder zurückkommen. Das bisher extremste Beispiel ist Taco. Taco ist eine junge Frau aus Japan und inzwischen auch eine gute Freundin. Sie kam alleine nach Mexiko, ohne auch nur ein Wort Spanisch oder Englisch reden zu können. Sie blieb hier eine Weile und lernte auch in der Zeit ziemlich viel in beiden Sprachen. Wirklich beeindruckend! Kurz nach Weihnachten flog sie weiter nach Jamaika. Wir dachten sie wäre weg und fingen schon an sie zu vermissen. Aber 3 Tage später kam sie wieder am Flughafen Cancun an. Ihr hat Jamaika zwar gefallen, aber diese Insel hat sie einfach nicht losgelassen. Inzwischen ist sie sogar schon 3 Mal abgereist und wieder zurück gekommen. Heute sollte sie eigentlich in Jamaika sein, aber meiner Meinung nach stehen die Chancen gut, dass sie in ein paar Stunden hier wieder auftaucht. Mal sehen! Naja und ähnliche Geschichten passieren hier oft, wirklich oft.

Außerdem fange ich hier zudem langsam an Fuß zu fassen und habe ein paar Jobs bekommen.

Für eine Tauchschule und ein Restaurant designe ich die Grafiksachen. Ich entwerfe Banner, Poster, Flyer und Menükarten. Ein Vorteil von diesem Job ist, dass ich oft mit der Tauchschule aufs Boot darf und umsonst an den wunderbaren Riffs der Karibik schnorcheln kann so oft ich will. Ich könnte mich hier wahrscheinlich auch zum Mitarbeiterpreis zum Taucher oder sogar Dive Master ausbilden lassen, aber Tauchen ist leider einfach nicht so meins …

Aber ich habe auch einen Job, der quasi perfekt ist. Ich übersetze ein Buch. Und das ist in der Tat ein super Job. Denn sollte ich mich dazu entscheiden doch bald weiter zu ziehen, diesen Job kann ich von überall aus machen. Unglaublich praktisch!

Zu guter Letzt: Ich fange nächsten Donnerstag an 3 Abende die Woche in einer Bar zu arbeiten.

Ein Job als Sekretärin, den ich dankend abgelehnt habe, habe ich auch angeboten bekommen und in einem Restaurant habe ich vor Kurzem auch gearbeitet. Das war mein erstes Mal Gastro. Bisher noch nie in einem Restaurant gearbeitet und dann das erste Mal in Mexiko und gleich 13 Stunden am Stück, in der Hochsaison. Puh! Das ist harte Arbeit. Aber ich habe gern dort gearbeitet.

Also, ihr seht, das mit der Arbeit und dem Hierbleiben ist wirklich nicht schwer, aber mich zieht auch auf der anderen Seite weiter in den Süden. Ich muss ja auch so langsam mal aus dem Hostel raus. Ein paar Wochen vielleicht noch, aber dann ist’s wohl auch genug. Ich bin vor einem Monat in ein Zelt gezogen. Darin zu leben finde ich grandios! Es ist großartig im Freien zu leben, besonders wenn es windig ist und regnet. Das gibt einem ein Gefühl, was schwer zu beschreiben ist, aber mir definitiv fehlen wird. Trotzdem, ich wohne hier ständig mit 130-180 Leuten zusammen. Ein ständiges Kommen und Gehen. In dem Zimmer, in dem ich im Dezember über 3 Wochen lang gelebt habe, waren ich und 7 andere. Es waren nicht immer alle Betten belegt, aber manchmal bin ich nachts eingeschlafen und hatte um mich herum Argentinier, Israelis und Schweizer. Und am nächsten Morgen wache ich auf und stattdessen sind plötzlich Australier, Russen und Italiener da. Viele Menschen, die hier ankommen, nehme ich leider schon gar nicht mehr wahr. Wie so oft ist aber auch genau diese Situation das, was einem die besten Erlebnisse beschert. Z.B. habe ich in diesem Zimmer die ganzen 3 Wochen zwei Dauermitbewohner. Joe, ein 70-jähriger Japaner und Ivan ein Kytesurfing-Lehrer aus Spanien. Und mit ihnen hatte ich die beste Zeit überhaupt. Aber das alles, ob nun positiv oder negativ, lenkt mich einfach zu viel ab, denn schließlich bin ich mir nicht sicher, was als Nächstes geschehen soll. Ich werde weiterreisen oder mir eine Wohnung suchen. So zumindest der Plan Stand ‚Jetzt‘. Kann sich morgen aber schon wieder ändern. Ich bin nämlich frei und unentschlossen, eine interessante Situation …

Das mit der Entscheidung ‚bleib-ich-hier-oder-reise-ich-weiter‘ ist nicht so einfach. Allerdings ist es Fakt, dass die Erfahrungen, die ich hier gesammelt habe, sehr wichtig für mich sind. Sie werden mir in Zukunft sehr nützlich sein.

Ich mag dieses Leben hier wirklich sehr! Ich fühle mich hier weiterhin sehr wohl und habe unglaublich viele gute Erlebnisse. Weihnachten und Silvester waren zum Beispiel auch ganz groß. Viele von uns hatten wohl das schönste Weihnachten jemals oder zumindest wird es für uns alle unvergesslich bleiben. Wir waren zusammen am Strand, hatten Hängematten, Musik und Rum. Wir haben gesungen und getrunken und eine unvergessliche Zeit gehabt. Silvester wiederum war nicht ganz so ruhig aber dafür sehr farbenfroh. Viel Feuerwerk, was übrigens noch glühend auf unseren Zeltplatz rieselte und dafür gesorgt hat, dass die Zelte alle etwas luftdurchlässiger geworden sind.  Oh, und natürlich – wie konnte ich den nur vergessen – der Weltuntergang! Der war hier auch ganz groß, ich bin ja schließlich im Maya-Land. Zwar passierte außer einiger Partys nicht viel, ab die waren dafür sehr gut.

Ich bin froh über die Herausforderungen, die sich mir langsam stellen. Denn wie mein guter Freund Greg sagte, wir Menschen sind „problem-solvers“. Wir sind dazu geboren Probleme zu lösen, ohne dem sind wir nicht ausgefüllt. Ich fühle mich nach dem letzten grandiosen halben Jahr jetzt auch bereit dafür. Nur fällt es mir bis jetzt noch nicht so leicht mich festzulegen, was die nächsten Monate passieren soll. Aber muss ich das überhaupt…

In diesem Sinne…

Ich liebe Euch alle und ihr fehlt mir!

Eure Emily

Oh, und ein kleiner Tipp an die Frauen, die vielleicht in Zukunft mal nach verreisen wollen:

Die Mexikaner hier sind weitaus attracktiver als man vielleicht meinen würde 😉

Monat 6, Mexiko

An Mexiko hatte ich wirklich keine sonderlich hohen Erwartungen. Eigentlich habe ich mich nur dazu entschieden hier herzukommen, um hier Steffi zu treffen, so als Kompromiss zwischen der USA und Zentralamerika. Ich wollte nach 5 Monaten doch langsam mal die Staaten verlassen und hatte sonst weiter nichts vor als im Januar in Panama zu sein, also dachten wir uns Mexiko wäre gut. Und so war es auch!

Anfang November war ich allerdings noch auf der Hochzeit meines Cousins in Texas. Das war für mich ein sehr wichtiges Ereignis, denn mit vielen Familienmitgliedern habe ich bisher, aufgrund der großen Entfernung, nicht viel Zeit verbringen können, oder kannte sie nur viel viel jünger und war sehr gespannt darauf, sie alle als Erwachsene wiederzusehen. Und, der Anlass war auch noch traumhaft ! Es war großartig und ich habe die Zeit dort in vollen Zügen genossen.  Aber als dies zu Ende ging, hatte ich nun wirklich alles in der USA erledigt, was dort zu erledigen war und konnte endlich weiterziehen.

Denn meine Vorfreude auf die Karibik war riesengroß! Sie half zudem ein wenig über einen furchtbaren Flug nach Cancún, eine einzige Pauschaltouristeninvasion, hinweg. Ätzend.  In Cancún angekommen holte mich mein lieber Freund Eike vom Flughafen ab. Ich hatte gehofft ihn genauso vorzufinden, wie er dann auch war. Er saß leicht verlottert, mit längerem blondem Haar, längerem und nicht ganz so blondem Bart, mit einer gesunden Bräune und einem breiten Lächeln im Gesicht auf seinem Rucksack direkt vor dem Eingang und wartete. Wie schön!! Pauschalscheiß, komischerweise auch immer gleichzusetzen mit nervigen Kindern, sich unangenehm aufführenden Familienvätern, zickigen Müttern und Streitigkeiten überall, wo man hinsieht, wieder vorbei und einen lieben reisenden Freund vor mir. Also, alles wieder gut!

Wir sind dann auch ohne Umweg aus dem All-Inclusive-Cancún raus und auf die Insel „Isla Mujeres“ gefahren und haben uns dort in einem Hostel eingemietet, in dem ich heute, einen ganzen Monat später, noch immer lebe. Aber dazu gleich noch mehr.

Wir beide waren sehr müde von den letzten Wochen und nutzen den ersten Tag zur Erholung mit viel Schlaf und gutem Essen. Das Leben und mein Alltag haben sich hier in Mexiko abrupt geändert. Die letzten Wochen und Monate waren oft eher stressig und anstrengend, zwar auf eine sehr gute Art, trotzdem, das hat Energie gekostet. Ich sehe das schon daran, dass die 5 Monate USA an mir quasi vorbeigerast sind, wobei die Zeit hier, an diesem so friedlichen, beschaulichen und doch geschäftigen Ort eher vor sich hertrottet. Hier auf der Insel und eigentlich überall in Mexiko ist alles 2-3 Gänge langsamer. Das Leben ist entspannter und unaufgeregter. Es gibt ja nun auch hier, an diesem „Ferienort“ nicht so viel zu tun und daher ist es äußerst leicht Ruhe zu finden, wenn man sie denn sucht.

Am zweiten Tag kamen dann auch Steffi und David, zwei weitere sehr liebe Freunde von mir auf der Insel an. Wir vier und einige neue Bekanntschaften verbrachten die nächsten Tage hier mehr oder weniger gemeinsam. Ich war überglücklich so viele Freunde auf einmal zu sehen und dann auch noch in der Karibik!! Hätte mir wirklich nichts Schöneres vorstellen können. Nach wenigen Tagen ist Eike aber dann auch schon weiter nach Holbox gefahren, um dort noch ein bisschen Ruhe vor seiner anstehenden Heimreise zu tanken, David zog nach Playa del Carmen um, um dort etwas Zeit mit einem anderen guten Freund zu verbringen und Steffi, sie blieb noch einige Wochen mit mir zusammen. Wir fuhren zu zweit weiter nach Chichen Itza, Mérida, Celestun, Tulum und dann wieder zurück auf die Insel. Wunderschön ! Die Natur ist einfach atemberaubend, die Mexikaner hier im Mayaland sind tolle Menschen und die Maya-Stätten sind auch gut (obwohl sie mich in der Tat am wenigsten interessieren). Kurz gesagt, Yucatan und Quintana Roo sind super! Und was ich über den Rest Mexikos gehört habe, ist auch äußerst vielversprechend. Ich bin auf dieses Land, das ich bis vor Kurzem noch als relativ uninteressant abgestempelt habe, sehr neugierig geworden und würde momentan sogar am liebsten noch ein paar Jahre bleiben und mir alles ganz genau ansehen. Aber das ist jetzt nicht meine Mission, jetzt steht gerade noch was anderes an und außerdem muss ich auch zugeben, irgendwie habe ich in letzter Zeit ein sehr großes Herz für alle Länder und ihre Bewohner, daher warte ich jetzt lieber erstmal ab…

Aber zurück zur Zeit mit Steffi. Mir hat es sehr gefallen, das alles mit ihr gemeinsam zu erleben. Es ist schön zu wissen, dass es eine Person in München gibt, mit der man diese Erfahrungen teilt. Eine Person, die weiß, wie es hier ist, zu den Namen auch Gesichter kennt und auch ihre eigene Meinung zu alldem hat. Besonders, da ich vielleicht noch einige Zeit an diesem Ort bleiben werde. Wer weiß… Und, mit ihr den neuesten Inselklatsch auszutauschen, macht schon Spaß! Genau so wie schon vor einigen Monaten in Kalifornien mit Sebastian.

Jetzt ist sie jedenfalls schon seit etwa einer Woche weg und ich bin nun wieder alleine unterwegs. Genau genommen bin ich jetzt zwar weder alleine noch unterwegs, aber „München“ ist jetzt nicht mit mir hier. Es tut zwar immer wieder sehr weh gute Freunde zu verabschieden und ich genieße die Zeit mit ihnen sehr, aber auf die Zeit, die jetzt kommt, freue ich mich zugegeben auch schon! Ich mag es nämlich genauso gerne alleine unterwegs zu sein. Und das hatte ich die letzten Monate nicht so oft. Es ist einfach für mich langsam an der Zeit. Und das ist auch gut so!

Wie schon erwähnt, bin ich heute also noch immer auf der Insel der Frauen und ich habe zudem beschlossen hier eine Weile zu bleiben. Ich stelle mir selbst ab und zu die Frage, warum ich jetzt tatsächlich so lange an dem ersten Platz, den ich in Mexiko gesehen habe bleibe und nicht weiterziehe. Und die Antwort ist und bleibt: weil es mir hier wirklich gut gefällt!

Isla Mujeres ist eine sehr kleine Insel. Gerade mal 7 Kilometer lang und nur ein paar Querstraßen breit. Hier ist alles mit dem Fahrrad superleicht zu erreichen. Die Menschen sind unglaublich, sie sind netter und entspannter als beispielsweise in Cancún und sie sind auch sehr hilfsbereit, offen und für jeden Spaß zu haben. Ja, und die Insel ist auch noch traumhaft schön! Zwar nicht das Schönste, was ich je gesehen habe, aber das Gesamtbild stimmt. An der Nordseite gibt es wunderbare karibische Strände, mit weißem Sand und Wasser, das wahrhaft aussieht wie flüssiges Glas. Aber auch hier wieder nicht das Allerschönste, was ich je gesehen habe. Sogar in Tulum, gerade mal 3 Stunden mit dem Bus entfernt, gibt es noch weitaus weißeren, feineren Sand. Übrigens, DAS war in der Tat der schönste Sand, den ich je gesehen habe! Es hätte auch aufgeschüttetes Mehl sein können. Und auch das Wasser ist dort noch ein Tick blauer und durchsichtiger. Aber hier auf der Isla ist’s auch schon traumhaft, da muss man dann auch nicht pingelig werden.  Und jetzt in der Vorweihnachtszeit, die hier unübersehbar ist, gibt es besonders viel zu sehen. Die mexikanischen Familien nehmen an traditionellen Umzügen auf der Insel teil, die Kinder sagen verkleidet Gedichte auf und seit Neuestem wird sonntags wird sich mehr auf der Straße versammelt und geratscht als an den bisherigen Sonntagen. All das ist echt schön zu beobachten. Und hier, da alles auf so kleinem Raum stattfindet, entgeht einem so gar nichts 🙂

Außerdem kenne ich hier schon ziemlich viele Leute, und die meisten davon mag ich sehr gern. Diese Leute sind hauptsächlich Mexikaner, die hier auf der Insel arbeiten oder Langzeitreisende (man könnte auch den Begriff ‚Kurzzeiteinheimische‘ verwenden, passt beides) aus aller Welt. All das zusammen ermöglicht es mir, mich an diesem Ort sehr wohl zu fühlen. Und jetzt will ich testen, wie lange das so bleibt. Mal sehen. Bin selbst gespannt.  Sollte es mir allerdings doch schneller auf die Nerven gehen als gedacht, so habe ich für danach den Plan entweder an die Pazifikseite von Mexiko zu fahren oder weiter nach Nicaragua.

Also, wahrscheinlich kann man sagen je kürzer mein nächster Blog wird, desto besser hat es mir hier auf der Insel gefallen. Denn momentan kann ich mir nicht vorstellen, dass ein weiterer Monat hier mir allzu viel Stoff für spannende Erzählungen liefert. Aber, man weiß ja nie, was die Zukunft bringt, gell!

In diesem Sinne Euch eine fantastische Vorweihnachtszeit! Genießt sie! Ich kann mir richtig vorstellen, wie ihr schön Glühweintrinken trinkt und Enten esst und überall der leichte Hauch von Zimt in der Luft liegt. Ich hätte das auch gern…so für einen Abend…dann aber schnell wieder zurück in Paradies 🙂

 

Ich denk an Euch & wünsche Euch das beste Weihnachten ever !!

Eure Emily

Und weil’s hier auch grad so cheesy ist, ein Lied, dass dem entspricht:

5 Monate USA

Als ich letzten Monat anfing den Blog für ‚4 Monate USA‘ zu schreiben, fiel mir recht schnell auf, dass ich neben einigen Erzählungen zu dem Erlebten doch hauptsächlich nur USA-Resumees im Kopf hatte. Daraufhin habe ich beschlossen die letzten 2 Monate zusammenzufassen. Sie waren nämlich beide mehr klassische „Urlaubs“ oder auch „Abschluss“- statt „Feldstudien“-Wochen. Ich habe meine Erkundungen weitgehend abgeschlossen, denn in den ersten 3 Monaten habe ich so ziemlich alles, was mich zum Thema Alltag, Arbeit und Organisatorisches interessierte, bereits herausgefunden. Und jetzt stand mir noch eine ganz wunderbare Zeit bevor, in der ich mich hauptsächlich mit Freunden amüsieren und die schönsten Seiten Kaliforniens genießen wollte.

Und, diese 2 Monate waren wirklich mehr als unglaublich!

Sebastian, mein so guter Freund, der mir schon sehr fehlte, war 3 Wochen hier bei mir und Marcel, ebenfalls ein guter Freund aus München, war auch gerade 2 Wochen hier. Ich war seit Ende August insgesamt 3x in San Francisco, 4x in LA, 3x in Santa Cruz, in Monterey, San Diego, Las Vegas, Yosemite und Inyo National Park, habe endlich geschafft einen klassischen road trip in einem Mustang Cabrio zu machen, habe Sonnenuntergänge gesehen, bin mit meinem besten Freund über die Golden Gate Bridge geradelt und auf dem Russian River Boot fahren, habe die Endeavour vorbeifliegen gesehen, bin den Highway 1 rauf und runter gefahren, saß auch mal hinten in einem amerikanischen Polizeiwagen, habe Abende in den berühmtesten Rockkneipen auf dem Sunset Blvd in LA verbracht, war Campen und auf Festivals und, habe viele Sternschnuppen und Unmengen an wunderbaren Tieren gesehen (Monarch Schmetterlinge auf ihrer unglaublichen Wanderung, Waschbären – so süß und doch so biestig, Robben – eher schon Standard hier in Kalifornien, Delfine – als freudige Gang mit riesengroßem Spieltrieb ganz nah am Strand vorbeischwimmend, Rehe – die einem leider viel zu oft vor das Auto laufen, Raubvögel – überall Raubvögel, Pelikane – in ähnlichen Gangs wie die Delfine ganz knapp über der Wasseroberfläche dahin gleitend, ich war auch im Bären- und „Mountain lion“-Gebiet – habe aber selbst keine gesehen…), ich war in Wüsten wie von einem anderen Stern und in Wälder mit riesigen Redwood-Bäumen (jetzt habe ich auch eine Ahnung, wie die Welt aus Sicht eines klitzekleinen Tierchens sein muss, denn so habe ich mich dort gefühlt), ich war in Bergen mit heißen Quellen und eiskalten Seen, lang an Sandstränden und saß oberhalb rauer Klippen, ich habe neue Freunde kennen gelernt, und, ganz wichtig, ich habe meine Freunde aus München mit meinen Freunden aus Kalifornien bekannt gemacht und mit ihnen allen gemeinsam viele Feste gefeiert und wunderschöne Erlebnisse gehabt. Ich habe mich noch mehr in diese unfassbar überwältigende Natur und in die Freundlichkeit der Menschen hier verliebt und festgestellt, dass mir Kalifornien definitiv fehlen wird. Ich kenne mich hier inzwischen aus, war schon fast überall, kenne in allen großen Städten Leute, weiß über viele Probleme der USA und Kaliforniens Bescheid und fühle mich hier trotzdem sehr sehr wohl.

Noch immer bin ich überwältigt von all diesen Eindrücken. Und, wenn man das alles so sieht, versteht man auch, warum gerade hier so viele so umweltbewusste Menschen leben. Hier gibt es alles und von allem so viel, das muss man einfach schützen!

Und, natürlich nicht zu vergessen, das Wetter! Endlich bin ich an einem Ort, an dem es warm bleibt. Auf den Ausfall des Winters freue ich mich besonders und ich habe gehört, dass in München der erste Schnee angekommen ist. Jetzt geht‘s also langsam los, dass ich merke, dass es hier einfach so warm bleiben wird. Die Regentage nehmen zwar an Häufigkeit zu, aber das ist nichts im Vergleich zum deutschen Herbst/Winter. Dieses Klima hier hat schon sau viel für sich und mir persönlich gefällt‘s hervorragend!

Nach diesem doch sehr langen Loblied auf Kalifornien muss ich trotzdem sagen, die Probleme die ich bereits in den Monaten zuvor angesprochen habe, sehe ich immer noch. Ich bin mir auch nicht sicher, wie ich in Zukunft darüber denken werde, denn das Schöne überwiegt für mich zwar noch aber der schlechte Zustand so vieler Menschen hier lässt mich nicht los. Ich bin dies ja eigentlich aus meinen vergangenen Reisen in viel ärmere Länder gewohnt. Nur da haben wir es auch schon, diese Länder sind eben viel ärmer. In einem westlichen, doch verhältnismäßig reichen Land, solche Zustände Tag täglich mit ansehen zu müssen, will mir einfach nicht in den Kopf. Außerdem höre ich auch immer wieder, dass gerade in diesem Teil Kaliforniens die Lebenshaltungskosten sehr hoch sind und viele Menschen Schwierigkeiten haben durchzukommen mit dem Geld, das sie verdienen. Und hiermit kommen wir dann doch mal wieder zu dem Thema Politik.

Es ist besonders interessant für mich in der Zeit vor der Wahl hier zu sein. Die heiße Phase des Wahlkampfs mitzuerleben ermöglicht mir unglaublich viel über das politische System und – noch viel wichtiger – das Verhältnis der Amerikaner zu ihrer Politik und Regierung zu lernen. Vieles ist für mich nachvollziehbarer geworden und einiges wird mir wohl immer ein Rätsel bleiben. Das war vor Monaten schon so und hat sich bisher auch noch nicht geändert.

Das System hier, und das ist keine Neuigkeit, kann leider ohne große fundamentale Änderungen, nicht viel besser werden. Das liegt einfach an dem System an sich. Was mir allerdings einen gehörigen Respekt einflößt ist, dass es ohne den konstanten Druck der Bevölkerung sehr leicht sehr viel schlechter werden könnte. Und da liegt ein Grund, warum ich gelernt habe vor den Amerikanern großen Respekt zu haben – zumindest vor denen, die ich in meinem Umfeld habe und denen, die ich hier in diesem ‚Goldenen Staat Amerikas‘ (so wird Kalifornien auch genannt) sonst so kennengelernt habe. Sie leisten Widerstand und üben Druck aus und, noch wichtiger, werden dessen nicht müde. Mir ist total bewusst, dass in anderen, leider sehr großen Teilen Amerikas, die Menschen komplett anders funktionieren. Aber über sie weiß ich nur sehr wenig. Vielleicht fahre ich bei einer zukünftigen Reise genau dort hin und versuche mir diese Menschen etwas genauer anzusehen, so rein aus Interesse.

Aber jetzt kann ich nur eins tun und mein Versprechen vielen Leuten hier gegenüber einhalten. Ich werde wählen! Im September habe ich einige Zeit damit verbracht mich für die Wahlen anzumelden. Da ich am 06.11. die USA verlasse, muss meine Stimmabgabe per Briewahl erfolgen. Aber wie immer im Umgang mit Behörden bedurfte dies mehrere Anläufe. Die Bürokratie ist hier oftmals ähnlich kompliziert wie in Deutschland. Und obwohl ich die Sprache spreche, hatte ich trotzdem oft Schwierigkeiten zu verstehen, was ich genau machen sollte. Aber, nicht so schlimm. Ich habe mich da geduldig durchgearbeitet und erwarte täglich meinen Wahlschein. Hier in Amerika ist das Wählen eine wirklich große Sache. Meine Familie und Freunde reden darüber, eher wie… hmm… sagen wir mal eine Abschlussprüfung oder so was. Also so gar nicht wie in Deutschland, wo man zwar mal kurz darüber spricht, aber eher den Eindruck hat als würde es niemand wirklich bewegen. Hier gibt es freudige FB-Posts sobald man endlich wählen gehen kann (es gibt nämlich auch die Möglichkeit vorzeitig zu wählen, das habe ich aber erst nach der Anmeldung zur Briefwahl erfahren, sonst hätte ich wohl das gemacht). Und es gibt wirklich keinen, der nicht darauf bestanden hat, dass ich mich zur Wahl anmelde und meine Stimme abgebe. Obwohl dies in einem Staat wie Kalifornien gar nicht so wichtig ist wie in manch anderem Staat. Denn Kalifornien ist historisch gesehen demokratisch, d.h. Obama hat Kalifornien praktisch schon in der Tasche. Da fällt die Stimme von einem Wähler mehr nicht ins Gewicht. Trotzdem. Ich machs. Denn schließlich geht’s nicht nur um den Presidenten sondern um viele andere Sachen auch. Aber so einfach ist das gar nicht. Ich muss mich mit vielem auseinandersetzen um zu verstehen, was die einzelnen Punkte wirklich bedeuten und was bzw. wer dahinter steht. Denn das ist alles komplettes Neuland für mich und ich will ja schließlich nicht unwissend einfach irgendetwas ankreuzen.

So, nun genug zu diesem Thema, denn mir stehen hier in den USA auch noch ein paar sehr freudige Ereignisse bevor, die ich an dieser Stelle auch schon mal erwähnen will. Nächste Woche werde ich nämlich Halloween, den Geburtstag von Greg und meinen Abschied aus Kalifornien in LA feiern, um dann von dort aus nach Houston/Texas zu fliegen. Dort werde ich dann zu der Hochzeit meines Cousins gehen und einige Tage mit meiner Familie verbringen. Das wird das erste Mal, dass ich an einer großen Familienfeier in Amerika teilnehme. So viele von den entfernteren Familienmitgliedern kenne ich bisher noch gar nicht. Ich bin mir sicher, dass das ganz ganz groß wird. Was für ein wunderbarer Abschluss dieser 5 Monate!

Dann reicht‘s aber auch erst mal mit den USA !!  Und ob ich hierhin zurückkehren werde, um hier einen neuen Lebensabschnitt zu beginnen oder nicht, werde ich erst in einigen Monaten entscheiden.

Und zwar grob gesagt auf dieser Grundlage von Informationen:

  • New Orleans hat mein Herz berührt und lässt mich bis heute nicht los
  • In Los Angeles und New Orleans gibt es genügend Wohnungen, die ich mir leisten könnte (und wenn das in LA so ist, sollte die Lage in San Diego auch nicht viel anders aussehen)
  • San Diego gefällt mir nämlich auch sehr, besonders die Umgebung mit den Wüsten und Mexiko direkt angrenzend, das ganzjährige warme bis heiße Wetter, das etwas wärmere Wasser des Pazifischen Ozeans (weiter nördlich ist es nämlich extrem kalt und schwimmen daher eher schwierig) und die sehr netten Leute mit ihrer unglaublich entspannten Mentalität
  • In LA und San Diego gibt es zusätzlich auch noch recht viele Jobmöglichkeiten
  • In New Orleans sollte Geld verdienen auch nicht so schwer sein, aber dort konzentriert sich das fast ausschließlich auf Gastronomie und Tourismus und weniger auf Festanstellungen
  • Das Leben ist prinzipiell viel entspannter in den USA als in Deutschland, vorausgesetzt man hat Geld
  • Aber die Menschen kämpfen mit der mangelnden sozialen Absicherung und den hohen Lebensunterhaltskosten
  • Sie haben dafür aber eine unglaubliche Vielfalt an überwältigender Natur
  • Die Politik macht mir in der Tat ein bisschen Sorgen (obwohl man das wahrscheinlich in fast jedem Land außerhalb von Europa sagen kann)
  • New Orleans hat leider diese fiesen Hurrikans und Kalifornien ihre Erdbeben
  • Und, zieht man hier her, muss man sich leider auch mit dem großen Problem der Obdachlosen auf den Straßen auseinandersetzen
  • Ich fühle mich hier erstaunlicherweise gar nicht so fremd wie befürchtet und finde sehr schnell Anschluss
  • Und … den Rest werde ich wohl einfach wissen oder besser gesagt fühlen sobald die Zeit dafür reif ist

Eins kann ich aber jetzt schon sagen, Amerika und ich gehen nach dieser Zeit definitiv als Freunde auseinander. Ich mag Amerika und Amerika scheint auch mit mir kein Problem zu haben.

Als Nächstes steht an, und ich kann es kaum erwarten, Mexiko und Mittelamerika!!!

Toll toll toll: Karibik, Dschungel, Spanisch !!! Ich bin schon ganz aufgeregt und will endlich los! Auch dort werde ich erst mal ein paar gute Freunde treffen, die aus verschiedenen Himmelsrichtungen anreisen, und weiß jetzt schon, dass es eigentlich nur grandios werden kann… toi toi toi! (ich bin bei solchen Aussagen ein bisschen abergläubisch und gehe daher lieber auf Nummer sicher 😉 )

Und noch abschließend für alle, die es interessiert ob mir das Reisen an sich schon langsam auf die Nerven geht. Nein, tut es nicht! Nach 5 Monaten des Herumreisens freue ich mich zwar mehr über die Tage, an denen ich mich in Ruhe hinsetzen und schreiben kann sowie über die Tage, an denen ich die Zeit finde, meine Wäsche zu waschen. Ich genieße es auch mehr und mehr wenn jemand für mich eine gute gesunde Malzeit kocht, oder über andere kleine oder große Ruhepausen zwischen all den Entdeckungstouren und anderen aufregenderen Zeiten um die ganzen gesammelten Eindrücke verarbeiten zu können. Aber müde von Reisen bin ich noch lange nicht. Mal sehen ob das in ein paar Monaten immer noch so aussieht…

In diesem Sinne, lasst es Euch allen ganz wunderbar ergehen und übersteht den blöden deutschen November, denn dann steht Euch die traumhafte Adventszeit bevor. Und das ist doch definitiv eine tolle Zeit des Jahres!

Eure Emily

Tipp: wer ein Hostel oder Hotel in Los Angeles sucht: Orange Drive Manor Hostel – direkt hinter dem Dolby Theatre (ehemals Kodac Theatre) mitten in Hollywood und trotzdem ruhig, sauber und günstig. Es ist ein altes Haus mit Charme und interessanten Leuten, die dort ein und aus gehen. Das findet man in der Kombination mit sauber und günstig besonders in LA nicht oft.

Und, ganz wichtig!! Unbedingt den Highway 1 komplett rauf oder runter fahren. Das ist ein einziges Naturschauspiel!
zum Abschluss 1x Kalifornien & 1x New Orleans

3 Monate USA

Ein bisschen spät aber dafür umfangreich…

Nach dem äußerst ereignisreichen zweiten Monat meiner Reise ist jetzt alles ein bisschen anders. Ich bin in Los Angeles angekommen und dort wartete mein guter Freund Greg auf mich. Er lebt in West-Hollywood und gab mir ein Zuhause für nun mehr fast einen ganzen Monat. Es war natürlich klar, dass sich mit einem festen ‚Wohnort‘ und einem so guten Freund an meiner Seite einiges ändern wird. Und obwohl ich müde war von den ständigen Ortswechseln und diesen gewaltigen Massen an neuen Eindrücken, überkam mich in den ersten 1 bis 2 Wochen eine Art Leere, ein Gefühl des ‚was jetzt‘ und ‚wohin mit mir‘. Ich hatte ja auch plötzlich viel mehr Zeit über alles nachzudenken, Erlebtes zu verarbeiten und Zukünftiges zu hinterfragen.

Aber auf der anderen Seite war ich auch extrem froh mit einem Freund zusammenzuwohnen, denn ich musste endlich nicht mehr die immer gleichen Antworten auf die immer gleichen Fragen geben. Ich konnte sie nämlich selbst schon langsam nicht mehr hören. Bei Greg konnte ich es einfach mal ein bisschen ruhiger angehen lassen. Und das tat mir, trotz oder gerade wegen des nicht ganz so guten Gemütszustands, sehr gut!

So wahnsinnig viel unternommen habe ich in der Anfangszeit nicht. Greg und ich haben meistens Sachen zusammen gemacht, denn 3 Tage die Woche hat er frei und er war froh mir sein Leben in LA zeigen zu können. Er hat mir seinen Freundeskreis vorgestellt, wir waren zu „Porch“-Partys (Terrassen-Partys) eingeladen, lagen am Pool, wir sind mal dahin und mal dahin gefahren. Und, obwohl ich befürchtet habe, dass mir Los Angeles nicht gefallen würde, wurde ich auch hier – wie schon in Miami – eines Besseren belehrt. Ich finde es nämlich wirklich gar nicht so schlecht. Es gibt überall schöne Ecken und unterschiedliche Stadtteile mit je ganz eigenem Charakter (Downtown hat den Metropolen-Style mit sehr viel Kunst und guten Bars, Sunset Boulevard hat viele Rockkneipen und Konzertschuppen, in denen die bekanntesten Bands auftreten, Silver Lake (Echo Park) und auch Los Feliz sind so was wie das Glockenbachviertel in cooler und größer, Venice muss man auch mal gesehen haben, usw., und…  die Menschen sind Gott sei Dank bei Weitem nicht so oberflächlich wie befürchtet.

Das Einzige, was in LA gar nicht geht, ist die unglaubliche Größe der Stadt. Für mich ist das mehr ein eigenes Land als eine Stadt. Das liegt daran, dass dort gar nicht so viel so hoch gebaut wird – meine Vermutung ist, dass das wegen der vielen Erdbeben so ist, ich weiß es aber nicht genau. Fakt ist, dass ich, obwohl ich in Städten mit mehr Einwohnern war, noch niemals eine Stadt mit diesen flächenmäßigen Ausmaßen gesehen habe. Ich würde dort nie wohnen wollen. Eine halbstündige Autofahrt in Kauf nehmen zu müssen nur, um mit Freunden einen Wein trinken zu gehen. Puh… Die langfristige Lösung für dieses Problem dort ist, den Freundeskreis an den Wohnort anzupassen. D.h., wenn man umzieht, sucht man sich über kurz oder lang neue Freunde. Ja, das kennt man von Umzügen in andere Städte oder Länder schon auch, aber in der gleichen Stadt… Ich weiß nicht so recht. Für mich ist das nix.

In der Zeit in der Greg gearbeitet hat, habe ich das Haus oft, außer für die üblichen Erledigungen, nicht verlassen. Ich habe mich meinen Aktivitäten (schreiben, malen, schlafen) gewidmet und schon war wieder ein Tag rum. Irgendwann so auf dem Balkon sitzend und den Kolibris beim nachmittäglichen Rumschwirren zusehend (ich musste diese Kleinen einfach noch einmal erwähnen) habe ich aber beschlossen aus dieser Phase der Lethargie heraus zu kommen und das Schicksal etwas herauszufordern. Ich hatte die Idee möglichst viele Leute in ganz Kalifornien über Couchsurfing anzuschreiben, um zu sehen, welche Reaktionen ich bekomme und dann danach gehend meinen Plan für die verbleibende Zeit hier zu schmieden. Normalerweise mache ich es nämlich andersrum, ich schmiede den Plan und suche dementsprechend gezielt die Leute aus.

Und eine der ersten Antworten war auch gleich einer der Besten. Angelique aus San Diego hat mich eingeladen an einem Wochenende runter zu kommen. Sie wohnt mit 3 anderen Leuten in einem tollen Haus mit Pool nicht weit von Zentrum entfernt. Das hörte sich einfach zu gut an, um nein zu sagen. Also bin ich dahin. Und mit diesen Leuten und ihren Freunden aus San Francisco und LA, die ich dort auch kennengelernt habe, hat sich für mich hier sehr viel geändert (da sieht man mal wieder, wie wichtig die Menschen um einen herum doch sind…) Wir haben uns wirklich super verstanden. Dieser Freundeskreis hat mich schnell in ihre Mitte aufgenommen und mir ihre Hilfe bei einer ‚Eingliederung in die Staaten‘ angeboten. Sie haben mir Tipps gegeben, mir Schlafplätze angeboten und mir sogar gesagt, dass ich in das Haus einziehen kann, falls ich mich irgendwann dafür entscheide nach San Diego zu ziehen. Und das ist schon wirklich sau cool! Das wollte ich immer mal haben. Ein Haus voller netter Leute, mit Pool und bezahlbar. Ich müsste mich jetzt eigentlich nur noch dafür entscheiden. Aber soweit bin ich noch nicht. Ich habe einfach noch zu viele offene Punkte auf meiner Liste stehen.

Obwohl mir San Diego als Stadt wirklich ganz wunderbar gefallen hat. Es hat New Orleans schnell vom ersten Platz meiner „wo-würde-ich-leben-wollen“-Rangliste abgelöst. Die Menschen in dieser Stadt sind entspannt und bodenständig, die Stadt ist nicht zu groß und nicht zu klein, das Wetter ist das ganze Jahr sehr warm und sonnig und die Natur drum herum ist wunderwunderschön. Man kann dort mit Robben schnorcheln und es tummeln sich im Jahr um die 40 000 Wale dort vor den Küsten, die Wüste daneben ist auch bildhübsch und Mexiko ist nur ein paar Kilometer entfernt. Ich könnte mir schon vorstellen dort eine Weile zu bleiben. Aber eben jetzt noch nicht und was irgendwann in Zukunft sein wird… keine Ahnung

Um die Zeit hier in Kalifornien aber noch etwas sinnvoller zu nutzen, habe ich auch beschlossen ein paar Punkte in Sachen Angstüberwindung anzugehen. Den Anfang habe ich damit gemacht, mir einen der größten Träume, die ich je hatte zu erfüllen. Fallschirmspringen! Man, ich sag‘s euch, das war das Allerbeste was ich je getan habe!! Und das Tolle war, ich hatte, als es endlich losging auch kaum noch Angst. Die Freude hat einfach überwogen. Und ich habe es geliebt und will es unbedingt irgendwann noch mal machen… jetzt, da ich weiß, wie es ist!

Die letzten Tage in San Diego war ich bei einem anderen CS-Host, einem Vollblut-Künstler/Musiker. Dem sagte ich, noch beflügelt von dem Sprung, dass ich immer schon Schlagzeug spielen oder Trommeln wollte. Gut, dies hat jetzt nichts mit Angst zu tun, aber ich habe es noch nie hinbekommen mit beiden Händen gleichzeitig unterschiedliche Sachen zu machen und ich habe es schon sehr oft probiert, also dachte ich, es wäre unmöglich. Was ein Glück, dass er u.A. Musiklehrer ist, der normalerweise pro Stunde viel Geld für seinen Unterricht bekommt… Jetzt kann ich‘s ! Muss zwar noch viel üben, aber ich kriege schon einen Rhythmus mit hoher Schwierigkeitsstufe hin. Darauf bin ich schon ein bisschen stolz.

Wieder zurück in LA habe ich dann mit Greg das Autofahren geübt. Denn mir wurde im Laufe der letzten Wochen klar, dass ich, wenn ich der ganzen Freiheitsnummer hier noch einen Boost verschaffen will, ein Auto brauche. Und das muss ich ja dann auch fahren. Wer mich gut kennt, weiß, dass das auch so eine Sache für mich ist. Aber auch meine erste Fahrt nach Jahren lief ganz gut. Ich habe mich informiert, was ich bei einem Autokauf alles tun muss (ich hatte nämlich schon einen Dodge im Visier) und es stellte sich leider schnell heraus, dass ich für die Registrierung, da ich keinen amerikanischen Führerschein habe, zumindest eine ID des Staates brauche (es gibt auch andere Wege, aber das ist für mich als Amerikanerin der Leichteste). Also bin ich zum Amt und habe die mir angesehen wie das so läuft und, weil die Gelegenheit gerade da war und es nicht viel kostet, habe ich auch gleich die schriftliche Prüfung für den Führerschein probiert. Und ich habe sie bestanden! Für die praktische Prüfung habe ich jetzt ein Jahr Zeit und werde es wohl irgendwann bei Gelegenheit mal machen. Vielleicht aber nicht gerade in dem Verkehrschaos von Los Angeles…

Und nach all diesen Erfolgen hatte ich so einen leichten Überflieger und ein bisschen das Gefühl unbesiegbar zu sein. Ich kann Euch aber beruhigen, ich habe gleich danach einen Dämpfer bekommen und bin wieder zurück von meinem Höhenflug 🙂 dazu gleich mehr…

Von LA aus bin ich über Santa Barbara (hübsch aber nicht besonders erwähnenswert) nach Santa Cruz gefahren. Das ist für mich definitiv eine der interessantesten Städte bisher. Die Natur an diesem Ort ist gewaltig. Dort gibt es viele Delfine, Robben, Wale, Surfer, Klippen, Wind, Sonne, Hippies, Strände, süße kleine und etwas verspielte Häuser, Redwood-Wälder, und und und… und das alles in und um eine so kleine Stadt. Unfassbar!

Dieses Video, vielleicht habt ihr das letztes Jahr auch gesehen, ist in der Bucht von Santa Cruz aufgenommen worden:

(danke Sarah, dass du das Video erwähnt hast. Ich hätte da gar nicht mehr dran gedacht)

Ich habe in Santa Cruz über airbnb ein Baumhaus gebucht, weil ich immer schon große Angst hatte hoch zu klettern und dieses Haus ist zwar hoch, aber eigentlich machbar. Jetzt kommen wir auch schon zu dem angekündigten Dämpfer. Das Haus ist leider für mich doch noch zu hoch gewesen. Trotz starkem Willen und mindestens 30 Versuchen über 2 Tage verteilt habe ich es nicht geschafft hineinzuklettern. Mir fehlte der letzte halbe Meter. Ich musste mir eingestehen, dass ich nicht einfach so alle Ängste abstreifen kann und doch noch ziemlich leicht zu erreichende Grenzen habe. Aber, das tat mir wohl auch ganz gut 😉 Fazit: ich werde in Zukunft definitiv mehr das Klettern üben müssen

Nun zur Frage, könnte ich mir grundsätzlich vorstellen hier zu leben: Wenn man dies hier so ließt, könnte man annehmen, dass hier alles nur ganz großartig ist und nichts dagegen spricht. Ich habe hier eine sehr gute Zeit, ich liebe die Landschaft und finde schnell Anschluss. Aber es gibt hier leider doch auch große Nachteile. Mit das größte Problem hier sind die vielen Verrückten und Obdachlosen. Ich weiß, das hört sich ziemlich harsch an, aber in Kalifornien ist das wirklich ein massives Problem, dem man ständig ausgesetzt ist. Wie überall in den Staaten werden nach und nach mehr Heime und Unterkünfte geschlossen und sie haben keinen Platz mehr, wo sie hingehen können. Zusätzlich scheinen extrem viele den kalifornischen Hippie-Lifestyle massiv übertrieben zu haben. Sie haben Drogenprobleme und/oder sind auf irgendwas hängen geblieben. Santa Cruz ist da leider ein sehr herausstechendes Beispiel, weil es dort, gemessen an der Einwohnerzahl, unfassbar viele seltsame Gestalten gibt. Unter der Woche, wenn die Touristen alle weg sind, hat man im Stadtzentrum ohne Übertreibung das Gefühl, dass mehr Leute, denen man auf der Straße begegnet, nicht ganz zurechnungsfähig sind als umgekehrt. Und das ist mir einfach zu viel. Ständig wird man angesprochen oder muss jemanden ausweichen, der sich für ein Tier oder eine Motorsäge hält. Mir tun diese Menschen unglaublich leid und ich sage so ungern alle 5 Minuten Nein zu jemanden, der mich um Zigaretten oder Kleingeld bittet. Aber es sind einfach zu viele. Und die zwei Lösungsansätze der Stadt, die ich mitbekommen habe, machen mich auch eher wütend als dass sie mir Zuversicht in eine bessere Zukunft geben.

Lösungsansatz 1: wir verbieten einfach alles und bestrafen es mit immens hohen Geldstrafen um so ihren Handlungsspielraum auf ein Minimum zu beschränken. Noch nie habe ich so viele Schilder gesehen was alles wo verboten ist. Kein Lärm, kein Skaten, keine Musik, keine Hunde, kein Rauchen, kein… und alles wird mit Strafen so um die 400$ durchgesetzt.

Lösungsansatz 2: wir kaufen ihnen ein oneway-Busticket in einen anderen Bundesstaat (unter dem Vorwand, dass sie so die Gelegenheit haben ihre Familien zu besuchen), und schon haben wir ein Problem weniger.

Zugegeben, das sind meine subjektiven Eindrücke und es beruht auf den wenigen Informationen, die ich in meinem kurzen Aufenthalt dort mitbekommen habe. Nichts Fundiertes also. Und, Santa Cruz ist wirklich das extremste Beispiel, die anderen Städte sind nicht ganz so. Trotzdem, das beeinflusst meine Entscheidung massiv (San Diego hat bei mir diezbezüglich übrigens auch den besten Eindruck gemacht…) Denn will ich mich und vielleicht irgendwann meine Familie wirklich dem aussetzten? Jeden Tag?

Auch lerne ich mehr und mehr die amerikanische Mentalität kennen und leider nerven mich viele Amerikaner doch recht schnell. Sie haben einen Haufen guter Eigenschaften (ihre Offenheit, ihre gelebte Liebe zur Freiheit, ihre Liebe zur Musik, ihren Aktionismus – zumindest, die die ich so kennengelernt habe – und ihre Toleranz – ja, die meisten sind so ziemlich allem, außer Kriminellen, die sie überfallen wollen, sehr tolerant gegenüber eingestellt). [und jetzt kommen wir leider zum politisch inkorrekten und sehr verallgemienernden Teil – muss auch mal sein…] Aber zu viele sind mir auch ein wenig zu einspurig in ihren Einstellungen, wie auch immer diese aussehen mögen. Und das wiederum geht mir leider einen Tick zu oft auf die Nerven. Ich schreibe hierbei nicht über Rednecks, religiöse Fanatiker oder Republikaner (oje, jetzt wird ein Teil meiner Familie leider nicht so erfreut sein…ich liebe Euch trotzdem!). Die sind für mich eh schon raus. Nein, ich meine eigentlich mehr die ‚Hoffnungsträger‘. Weltoffene, tolerante und sozial eingestellte Menschen. Auch sie kommen mir leider viel zu häufig irgendwie gedrillt vor. Hier ein paar Beispiele: Die Surfer sind zu oft ausschließlich auf das Surfen und sonst nichts gedrillt, die ‚Hippies‘ sind so sehr auf Frieden, Liebe und Öko gedrillt, dass sie einem dies quasi schon aufzwingen wollen, die Normalos sind extrem auf Konsum gedrillt und so weiter. Ich würde mir einfach etwas mehr Komplexität und Reflexion wünschen. Zu viele machen es sich halt doch sehr einfach. Ihr seht schon, ich habe mich in letzter Zeit öfter mal ärgern müssen und kann so einiges schon langsam nicht mehr hören. Ich weiß aber auch, dass das bei einer derartigen Reise durch Deutschland höchstwahrscheinlich nicht viel anders wäre. Wer weiß.

Einige Menschen, die ich hier kennen lerne, reißen das bisher aber noch locker raus. Und dafür bin ich ihnen sehr dankbar. Ob das und diese prächtige Natur allerdings für mich ausreicht, hier her ziehen zu wollen, wird sich erst noch zeigen. Naja, ich habe ja noch eine Weile hier vor mir. Da kann noch viel passieren…

Ich bin auf jeden Fall heute erstmal voller Vorfreude. Denn ich bin gestern in San Francisco angekommen, mit einem verheißungsvollen wunderschönen doppelten Regenbogen empfangen worden und erwarte heute Abend Sebastian. Ich freue mich schon sehr mit ihm ein paar Wochen gemeinsam die Gegend zu erkunden und wieder mehr den unbeschwerten ‚Urlaubsmodus‘ einzuleiten 🙂 … denn schließlich kann man sich’s hier schon sehr einfach sehr gut gehen lassen! In diesem Sinne…

…wünsche ich Euch allen ganz viel Spaß auf der Wiesn und denk an Euch ! Bis Oktober Emily

Zum Abschluss widme ich mein Video diesmal den Australiern, denn ich habe noch nie so viele von ihnen kennengelernt wie in den letzten 3 Monaten (bei ihnen ist nämlich gerade Winter und der Dollarkurs steht gut für sie…)

2 Monate USA

Meine Pläne recht bald Chicago zu verlassen und weiter zu ziehen wurden, wie so oft, kurzfristig vertagt.

Meine couchsurfing hosts aus Chicago, die inzwischen Freunde geworden sind, haben mich mit sehr einfallsreichen Liedern und schauspielerischen Darbietungen zu dem Thema ‚verlassen werden‘ davon überzeugt doch noch eine Woche länger bei ihnen zu bleiben. Es ist schon komisch, dass man zu Menschen, die man kaum kennt, eine so enge Beziehung aufbauen kann, dass einem die Trennung alles andere al leicht fällt. Eine tolle Erfahrung! Obwohl… natürlich erst die Zeit zeigen wird, ob diese Verbindungen auch bestehen bleiben. Nichtsdestotrotz, die Großzügigkeit und das Wohlwollen von so vielen, die man eben erst kennen gelernt hat, ist genau das, was ich auf dieser Reise immer wieder erleben darf. Und dafür bin ich sehr dankbar. Denn es gibt wirklich viele gute Menschen da draußen! Und Chicago hat, meinem subjektiven Empfinden nach, besonders viele davon 😉

Aber irgendwann musste ich einfach weiter. Schließlich geht es hier ja auch darum einen Ort zu finden, an dem ich länger bleiben will, vielleicht sogar leben will, und Chicago ist da leider wegen dem harten Winter komplett raus aus der Auswahl.

Auch den Plan nach Memphis zu reisen habe ich verworfen. Die ganze Organisation dessen verlief zu holprig, da habe ich kurzerhand beschlossen den billigsten Flug Richtung Süden zu buchen. Das führte mich nach Miami.

Im Flugzeug dorthin habe ich, obwohl ich es mit betont unfreundlichem Verhalten zu vermeiden versucht habe, ein deutsch-amerikanisches Pärchen kennengelernt. Ich schreibe hier über sie, weil sie so ziemlich das Schlimmste sind, was mir hier in den Staaten passiert ist. Beide blonde Sportler mit perfekt weißen Zähnen und einem Dauerstahlen im Gesicht. Sie beide erzählten mir, dass sie so ‚excited‘ sind. Sie wollten in Miami zu einer „bodybuilding-show“ im American Airlines Station. Der Eintritt dafür koste 100 $. Sie machen nämlich seit einem Jahr in Fitness-Pulver, für Bodybuilding und so. Gaaanz tolles Pulver. Sie sei schwanger und könne es nach der Geburt sogar ihrem Baby geben. Es sei nämlich totaaal gesund, quasi ein Wundermittel. Und das Geschäft damit läuft suuuper. Sie haben, weil das alles so unfassbar gut läuft, vom Headquater sogar schon einen BMW bekommen. Usw. So ganz hatte ich in diesem Gespräch allerdings nicht raus hören können, worauf sie hinaus wollten. Sie haben mir auch nicht viel Zeit zum Nachdenken gelassen, denn sie wollten mich sofort dazu überreden auch zu dieser „show“ zu kommen. Obwohl ich ihnen mehrfach zu erklären versucht habe, dass ich nicht im Geringsten an Bodybuilding, geschweige denn an irgendwelchen Wunderpulvern interessiert bin, habe ich mich am Flughafen dann zumindest dazu breitschlagen lassen ihnen meine Nummer zu geben. Nur damit sie mich endlich in Ruhe lassen. Zu der „show“ wollte ich nie. Ein paar Stunden später fing der Terror dann an. Eine SMS nach der anderen, ein Anruf nach dem anderen. Ich muss uuunbedingt dahin kommen. Es ist ja so unglaublich ‚amaaazing‘. Ich musssss mir das einfach anschauen! Sie haben mir auch Freikarten besorgt. Für mich und meine Freunde. Wir müssen einfach nur dahin kommen. Egal wann… Ich habe irgendwann nicht mehr geantwortet. Aber die Nachrichten kamen 4 Tage lang, so ziemlich jede Stunde und immer wieder mit neuen Überzeugungsversuchen. Mal wollten sie mir erzählen, wie viel Spaß es dort macht. Mal wollten sie mir irgendwelche Leute vorstellen. Usw. Als ich ein paar Tage später youtube-Ausschnitte von dieser Veranstaltung gesehen habe, war mir endgültig alles klar. Ausverkauftes Stadion, von einer Bodybuilding-Show keine Spur, nur eine Show mit Motivationssprüchen, die die komplette Masse an Menschen (alle mit einem debilen Perlweislächeln und aufblasbaren Merchendisingartikel in den Händen) manipulieren und ihnen erzählen, dass jetzt, mit diesem Pulver, ihr Leben erst wieder lebenswert werden wird. Es sei die Lösung all ihrer Probleme. „Das Wunder geschieht. Jetzt gerade, im Hier und Jetzt, und sie alle sind privilegiert dabei sein zu dürfen “ Oh mannn, eine Bodybuilder-Abnehm-Pulver-Sekte mit Schneeballsystem und sie wollten mich im Ernst rekrutieren. Mich! Pfff… Ich weiß, ich bin selber schuld, ich hätte ihnen meine Nummer nie geben sollen… trotzdem… Zumindest war mit ihrer und meiner Abreise aus Miami auch dieses Thema endlich vorbei. Seitdem habe ich nichts mehr von ihnen gehört und das ist auch gut so.

Nun aber zu meinem eigentlichen Aufenthalt in der kontroversen Stadt Miami.  Ich war nur ein Paar Tage da und hatte eine tolle Zeit! An diese Stadt hatte ich so gar keine Erwartungen, wurde aber – couchsurfing sei Dank – sehr positiv überrascht. Ich habe die südamerikanische Gemeinschaft kennengelernt (Miami wird von ihnen auch der Norden Südamerikas genannt) und als Gegensatz dazu auch die intellektuelle yuppie-community, also ein Gruppe wohlhabender Designer, Makler und Künstler. 2 verschiedene cs-hosts = 2 extrem verschiedene Realitäten! Ich habe dort so viel Kunst, Streetart, Musik, und karibischen Flair erleben dürfen. Toll! Aber auch das, worum sich die Stadt hauptsächlich dreht: junge halb nackte Menschen und alte Gigolos, Selbstdarsteller in der ausgeprägtesten Form, das ständige Thema wer mit wem, Internetdating (sehr beliebt dort unten) und Anmachen überall. Irgendwie dreht sich dort alles nur um das Eine. Und, Drogen an jeder Ecke. Man merkt wirklich, dass dort der größte Umschlagplatz für die Drogenlieferungen an die Ostküste ist. Leider sieht man daher auch sehr viele sehr junge Drogensüchtige, wo wir dann wieder bei den jungen halb nackten Menschen und ihren alten Gigolos wären.

Trotzdem, mir hat es da gefallen, besonders weil diese Stadt sooo unfassbar 80er ist !! Einfach alles daran hat mir das Gefühl gegeben wieder in der Vergangenheit zu sein: die Architektur, die Musik, die Papageien überall, die Autos (kunterbunte Lamborghinis, gelbe Ferraris, rote Corvettes  – einfach alles, was das prollige Angeberherz aufblühen lässt), etc. Unglaublich ! Echt super ! Ich hätte mich in meinem kurzen Besuch dort nicht besser amüsieren können. Aber da leben… nein danke.

Noch eine Sache, ich habe dort auch einen Spielzeugentwickler kennengelernt. Sozusagen ein 38 jähriges Kind. Dieser Mann hat mir so viel über eines der wichtigsten kulturellen Grundsäulen Amerikas erklärt, dass ich mich jetzt sogar ein wenig wie eine „Eingeweihte“ fühle. Es geht um… Superhelden. Insbesondere um Batman! Batman ist (wohl auch wegen des neuen Films) das einzige Thema, was alle Menschen, ob schwarz oder weiß, alt und jung, Alternative, Rednecks, Yuppies, etc. begeistert. Und, die Geschichte ist, wie ich lernen durfte, auch gar nicht so trivial, wie man vielleicht meinen könnte. Besonders wenn man die Geschichte von früher und die jetzige Darstellung vergleicht. Es wird hier so detailliert diskutiert wie in Europa bspw. geschichtliche Themen. Batman zieht sich wirklich wie ein roter Faden durch meine letzten zwei Monate. Daher auch hier diese besondere Erwähnung…  😉

Von Miami aus bin ich dann mit dem Zug weiter nach Tampa. Ich wollte dort nur hin um ein bisschen mehr Zeit zum Tagebuchschreiben zu haben und habe das Hostel, in dem ich gewohnt habe, daher auch nicht wirklich verlassen. Über die Stadt selbst kann ich daher nicht viel berichten. Das Hostel hingegen war sehr interessant, eine über 30 Jahre zusammen geschusterte Festung neben einem verwunschenen Friedhof, auf dem es natürlich angeblich spukt (wie eigentlich überall im Süden Amerikas).

Als ich ankam wurde dort gerade ein Film gedreht. Das heißt, viele gute Leute und ständig was los an diesem sonst so beschaulichen Ort. Und meinen ersten Job habe ich dort auch gehabt, als „Geh-Assistentin“. Ich saß oben im Baumhaus und habe dem Kameramann, während er auf das Display schaute, mit Anweisungen geholfen nicht gegen einen der zahllosen Gegenstände dort zu laufen. Auf eine Bezahlung wurde beidseitig verzichtet. Nach ein paar Tagen mit dem immer gleichen Ablauf (aufstehen, Kaffee trinken, schreiben, die heimkehrende Filmcrew begrüßen, gemeinsam Bier trinken und wieder schlafen gehen) war ich wieder bereit für mehr Abwechslung.

Auf das nächste Ziel habe ich mich schon seit Wochen gefreut. New Orleans! Jeder, den ich unterwegs getroffen habe, hat gesagt, dass ich da unbedingt hin muss. Und sie hatten recht. Das ist wahrlich eine Stadt, die mich beeindruckt hat. So viel Charakter, so viel Musik, so viele so wunderbare Häuser, so viele nette Menschen, so viele Spukgeschichten, Voodoo, Brass Bands, den besten Jazz, den ich je gehört habe, heißes Wetter, tolles Essen, nicht zu viele Einwohner (nur 360.000) und grandiose Natur überall, in der Stadt selbst und drum herum. Die erste Stadt in der ich mir vorstellen könnte eine Weile zu wohnen. Wer weiß, vielleicht kehre ich tatsächlich irgendwann dorthin zurück.

Und ich hatte das große Glück an einer originalen Jazz-Beerdigung teilzunehmen. So etwas habe ich noch niemals zuvor gesehen! Ja, schon, im Fernsehen, aber da zu sein war schon was ganz besonders. Ich hatte über Stunden hinweg Gänsehaut und bin so nachhaltig beeindruckt von der Einzigartigkeit dieser Zeremonie, einer – ich muss es mir selbst immer wieder vor Augen halten – Beerdigung. Für diejenigen, die mit dem Begriff Jazz-Beerdigung nichts anfangen können: http://de.wikipedia.org/wiki/Jazz-Beerdigung Was dort nicht geschrieben steht, ist dass viele Tänzer fast in eine Art Trance fallen und unglaubliche Bewegungen im Tanz machen. Alle scheinen dabei eine bestimmte Rolle zu haben. Viele sind verkleidet, die Stimmung ist irgendwo zwischen ernst und gut, aber auf keinen Fall traurig. Es fällt mir wirklich schwer das in Worte zu fassen.  Wenn ihr also irgendwann mal die Gelegenheit habt auch an einer teilzunehmen, macht es !!!

[an dieser Stelle hätte ich gern ein kurzes Video eingebettet um euch die Stimmung dieser Prozession zu zeigen, das würde mich aber 60$ kosten, da habe ich mich dazu entschieden, es doch lieber in Facebook zu posten. Ihr könnt es euch ja dort ansehen. Es ist eh nur ein ganz ganz kurzer Ausschnitt…]

In Los Angeles wurde ich erst später erwartet, daher habe ich mich nach einer Weile in New Orleans dazu entschieden die Zeit zu nutzen, um mir noch etwas ganz anderes anzusehen. Nashville. Da ich inzwischen ein wenig übersättigt an den Eindrücken der letzten Wochen war, habe ich auch dort, wie schon in Tampa, nicht besonders viel unternommen. Leider habe ich in Nashville auch keine Hosts gefunden und bin daher wieder in ein Hostel gezogen. Dort habe ich zumindest dies über diese Stadt gelernt: es gibt dort tausende mehr oder weniger talentierte Singer-Songwriter, die auf den großen Durchbruch warten. Nashville wird von ihnen selbst sogar der ‚Heilige Gral des Liedes‘ genannt. Abends am Lagerfeuer (was wir nicht angezündet haben, weil es dafür aufgrund der andauernden Hitzewelle viel zu heiß war) spielen ca. 9 von 10 Leuten Gitarre und singen. Eigentlich ganz schön, nur eben ein bisschen zu viel des Guten. Es ist schwer sich auf ein Lied zu konzentrieren, wenn gleichzeitig noch 8 andere Lieder gespielt werden. Aber mir hat es trotzdem gefallen. Ich mag musikalische Menschen, und diese dort waren oft sehr glücklich und inspiriert, weil sie gerade in der Stadt irgendeinem ihrer Idole über den Weg gelaufen sind. Wie glücklich und stolz sie dann waren, war schon immer sehr schön mitzuerleben. Und, Musik ist in den Staaten, besonders im Süden, neben Batman DAS Top-Thema. Das ist meiner Meinung nach schon eine sehr schöne Seite von Amerika.

Seit gestern bin ich nun in Los Angeles. Ich freue mich nach so vielen so verschiedenen Orten mal wieder etwas ‚sesshafter‘ zu werden. Geplant habe ich nämlich 3 Monate in Kalifornien. Ich lebe hier wieder bei Freunden und werde versuchen mir diesen Teil der USA möglichst genau anzusehen. Und, hoffentlich werde ich hier auch mehr Zeit in der Natur verbringen können. Ich freue mich schon ganz besonders auf die Parks und das Campen darin. Ob das dann auch alles so läuft wie momentan geplant, werde ich euch ja dann in ein paar Wochen berichten. Denn so ein bisschen bekomme ich auch Lust für ein paar Wochen nach Central Amerika zu reisen. Schuld daran ist der Blog eines guten Freundes der gerade durch Mexiko reist 🙂 Wir werden sehen…

Da mein Reisebericht der letzten Wochen so schon so umfangreich geworden ist, werde ich euch meine neuen persönlichen Erkenntnisse zu Amerika und den Amerikanern sowie den neuesten Stand zu „kann ich mir vorstellen hier zu leben? ja oder nein?“ lieber eines der nächsten Male schreiben.

Hier nun aber noch ein Reisetipp, den ich wirklich jedem von euch empfehlen kann: NEW ORLEANS !! Eines der besten Städte, die ich je gesehen habe!! Und wer dabei noch mehr Kultur erleben will, am besten in der Zeit zwischen April und Juni dahin reisen. Zu der Zeit gibt es wirklich sehr viele sehr unterhaltsame Festivals. Hier feiern auch die Leute aus New Orleans selbst, das können sie nämlich wirklich gut. Und von ihnen habe ich auch diese Tipps bekommen. Und am allerallermeisten zu sehen gibt es an dem Wochenende direkt vor Ostern. Der Höhepunkt von Mardi Gras (Karneval in einigen Südstaaten). Ich selbst werde versuchen irgendwann in den nächsten Jahren zu dieser Zeit dorthin zurückzukehren.

Ich hoffe euch allen gehts gut & wünsche euch einen ganz fantastischen August!!

 

 

1 Monat USA

Ein Monat ist ja eigentlich bisher meine übliche Reisezeit gewesen. Und ich kann Euch sagen, ich bin so glücklich, dass ich diesmal noch nicht wieder zurück muss. Jetzt komme ich nämlich gerade erst langsam an. Noch ist alles wie ein normaler Urlaub, nur ohne den Druck bald die Heimreise antreten zu müssen.

Bisher war Amerika gut zu mir und ich war auch gut zu Amerika !!

Es läuft, bis auf einige Kleinigkeiten hier und da, wirklich äußerst gut. Ich habe sehr viel Zeit mit Freunden, Familie und neuen ‚Freunden‘ verbracht. Bisher kam auch noch zu keinem Zeitpunkt das Gefühl auf alleine zu sein. Was ich, zumindest auf diesem Teil meiner Reise, als sehr positiv empfinde. Ich wollte in diesem Land möglichst viele Leute kennenlernen und das amerikanische alltägliche Leben erleben. Und genau das passiert und macht mir unglaublich viel Spaß!

Die ersten zwei Wochen NYC waren allerdings extrem. Ich bin 6 x umgezogen und habe neben meiner Familie und lieben Freunden aus München noch einige New Yorker, die ich über das CouchSurfing kennengelernt habe, um mich gehabt.
Es war wirklich groß und hat wahnsinnig viel Spaß gemacht! Ich war ständig unterwegs, das Telefon klingelte andauernd, es gab 1000 Sachen zu sehen, und Einladungen und Partys…und und und… aber gegen Ende kippte mein Gefühl. Ich musste ganz schnell nur noch raus aus diesem Wahnsinn von Stadt.

Irgendwie fällt es mir dort nämlich sehr schwer den meisten Leuten ihre ach so große Zufriedenheit und ihre grenzenlos überschwängliche Lebensfreude ganz abzukaufen. Die meisten in meinem Alter sind gehetzt, (relativ) alleine und eifern meiner Meinung nach den absolut falschen Idealen hinterher. Wer weiß, vielleicht täusche ich mich da ja auch… ist ja nur ein Eindruck, den ich gewonnen habe… Mir war’s auf jeden Fall zu viel. Ich musste dringend weg aus der Stadt die mir, statt Energie zu geben, Kraft raubte.

Zur Entspannung bin ich dann eine Woche nach Woodstock.

Ich wusste, dass dies definitiv gechillter sein muss und wollte mir den Ort 50 Jahre ‚danach‘ mal ansehen.

Und es ist ein wirklich ganz bezauberndes kleines Städtchen.

Hier habe ich dann eigentlich auch nur gegessen, geschlafen und mir die alten, seit 50 Jahren dort hängen gebliebenen Hippies bei ihren nachmittäglichen Treffen auf dem Dorfplatz angesehen. Denn besonders sie sind ganz bezaubernd ! Sie haben mich ein wenig an Fabelwesen, so was wie Zwerge oder Gnome aus einem verwunschenen Wald, erinnert (und dabei stand ich zu 100 % nicht unter Drogeneinfluss).

Sie sind so alt, zerbrechlich, grauhaarig, farbenfroh, mit Glöckchen und Blümchen geschmückt und stets mit einem Lächeln auf den Lippen. Wirklich süß!

Das mit dem verwunschenen Wald ist auch nicht so abwegig. Überall sind sehr zutrauliche Hörnchen aller Art. Eichhörnchen in Grau, Rot oder Schwarz und mit Streifen. Besonders amüsant ist es, wenn sie versuchen aus den Vogelhäuschen die Körner zu klauen. Das Mittel der Woodstocker sie daran zu hindern ist, die Stange, die zum Häuschen hochführt mit Vaseline zu bestreichen. Unglaublich witzig !! Und abends, immer wenn ich meine letzte Zigarette geraucht habe, saß ich in einem Schwarm Glühwürmchen. Also, da versteht man schon warum einige Hippies nach dem Festival nicht wieder gegangen sind.

Oh ja, und hier noch ein letztes bezeichnendes Beispiel für das „Bezaubernde“ an  diesem Ort:  wenn man dort über die Straße will, halten die Autos für einen an (auch ohne Zebrastreifen oder Ampel) …

Die Tage dort waren genau das Richtige für mich. Ich habe mich dort schnell erholt und war bereit in die nächste Stadt zu fahren.

Seit 2 Wochen bin ich nun schon hier in Chicago. Und diese Stadt ist wirklich FANTASTISCH! Zumindest im Sommer (trotz Hitzewellen). Überall Musik, Kunst, es gibt Strände, die Luft ist heiß, das Wasser ist kalt, die Leute sind entspannt. Toll toll toll ! Mir gefällt‘s !!

Auch hier habe ich, wie schon in NY, Familie und Freunde bei denen ich die erste Woche gewohnt habe. Ich habe in dieser Zeit viel Einblick in das ‚normale‘ Familienleben von amerikanischen Haushalten bekommen. Familienfeste, alltäglich Probleme, Themen wie Kindererziehung, Wohnungssuche, usw. Aber auch groß diskutiert – und jeder hat da eine andere ganz spezielle Meinung – welche Sorte Bier ist die Beste (oder besser gesagt am wenigsten schlecht ). Es gibt nämlich gefühlte 3 Mrd Sorten. Und ich habe noch kein Gutes gefunden.

Seit Montag bin ich nun aber wieder am Couchsurfen. Ich wohne mit 4 sehr lieben multikulturellen Leuten in Bucktown/Chicago zusammen. Sie sind Musiker und Akrobaten und bestehen darauf, dass ich eines ihrer Instrument lerne, bevor ich ausziehe… mal sehen. Ich stehe da gerade noch in Verhandlungen.

Mein Plan ist es wahrscheinlich Anfang nächster Woche weiterzuziehen. Wohin weiß ich noch nicht genau. Ich entscheide mich gerade ständig um. Zur Auswahl stehen Memphis, Nashville (mein Favorit) und – heute frisch dazu gekommen – Miami.

Ganz grundsätzlich kann ich sagen, in den Staaten zu reisen ist so einfach wie das Reisen nur sein kann. Hier ist es quasi unmöglich irgendetwas falsch zu machen. Also, wenn jemand bisher bedenken hatte, es gibt absolut keinen Grund dafür. Ich profitiere von diesen unzähligen Gebrauchsanweisungen und Warnungen sehr, trotzdem, ich weiß nicht ob das so gut für eine Gesellschaft ist, wenn man sich das eigene Nachdenken, das Lösen von Problemen und den logischen Menschenverstand abtrainiert. Obwohl ich auch sagen muss, dass ich bisher sehr viele Leute getroffen und kennengelernt habe, die sehr wohl nachdenken, kritisieren und in ihrem eigenem Alltag die (meiner Meinung nach) richtigen Entscheidungen treffen. Ich werde dies also weiter beobachten müssen.

So, zum Schluss noch mein Reisetipp für romantisch Verliebte:                                           * Woodstock zu Weihnachten !  100Pro wie im Märchen *

Bis bald meine Lieben !